Was ist Calisthenics? Einstieg ins Training mit dem eigenen Körpergewicht und die wichtigsten Übungen
Wenn dir schon mal Calisthenics-Videos begegnet sind, hast du dir wahrscheinlich auch gedacht: „Das würde ich gern können.“ Das sage ich als jemand, der seit Jahren immer mal wieder Lust auf Calisthenics bekommt. In den Videos ziehen sich Leute an Stangen hoch, laufen auf den Händen oder halten ihren Körper waagerecht in der Luft. Und dann denkt man unweigerlich an die eigenen drei Liegestütze. Gut, die Liegestütze kriegt man irgendwie noch hin. Aber bei Klimmzügen und ihren ganzen Varianten gehöre ich eher zur Fraktion „Ich glaube, das ist nichts für mich“. Ein paar Freunde von mir machen seit Jahren Calisthenics. Einige sind auch wirklich gut. Wenn wir darüber sprechen, höre ich immer: „So schwer ist das gar nicht. Das kommt mit der Zeit.“ Natürlich weiß ich, dass man sich nach und nach verbessert. Besonders einfach sehen diese Übungen für mich trotzdem nicht aus. Aber gut, hier geht es nicht um mich, sondern um alle, die anfangen möchten. 🙂
Calisthenics ist eine Form des Krafttrainings, bei der hauptsächlich dein eigenes Körpergewicht als Widerstand dient. Liegestütze, Kniebeugen und Klimmzüge gehören zu den bekanntesten Beispielen. Am Anfang erwartet niemand, dass du die Übungen aus den Videos nachmachst. Du suchst dir eine Variante aus, die zu deinem aktuellen Stand passt, und lernst, sie sauber auszuführen. Trainieren kannst du zu Hause, im Park oder im Fitnessstudio. Für manche Übungen reicht etwas Platz, für andere brauchst du einfache Geräte wie eine Stange. Schauen wir uns erst die Grundlagen an und dann, wie dein Einstieg aussehen könnte.
Was bedeutet Calisthenics eigentlich?
Das Wort setzt sich aus den griechischen Wörtern kalos für schön und sthenos für Kraft zusammen. Heute bezeichnet es meist Kraftübungen und Übungen zur Körperkontrolle, bei denen du dein eigenes Körpergewicht nutzt. Deine Muskeln arbeiten dabei, um deinen Körper zu bewegen oder in einer bestimmten Position zu halten. Beim Liegestütz drückst du dich vom Boden weg. Beim Klimmzug ziehst du dich zur Stange hoch. Im Unterarmstütz hältst du deinen Rumpf stabil.
Calisthenics umfasst also deutlich mehr als die fortgeschrittenen Übungen an den Stangen im Park. Auch Liegestütze an einer Wand können ein Einstieg sein. Dass du noch keinen Liegestütz am Boden schaffst, hält dich nicht davon ab, anzufangen.
Geht Calisthenics komplett ohne Geräte?
Zum Teil ja, aber eben nicht jede Übung. Für Kniebeugen, Ausfallschritte, Liegestütze und Planks brauchst du keine Hanteln. Für Klimmzüge benötigst du allerdings eine sichere Stange, für klassische Dips einen geeigneten Barren.
Gerade beim Rückentraining ist dieser Unterschied wichtig. Wenn du zu Hause Liegestütze und Planks aneinanderreihst, ersetzt das keine Zugübungen. Statt dir vorzunehmen, grundsätzlich auf jedes Gerät zu verzichten, schau lieber, was du für deine Übungen tatsächlich brauchst. Ein Calisthenics-Park in der Nähe kann da praktisch sein. Zu den Parks kommen wir gleich noch.
Wie unterscheidet sich Calisthenics vom Training mit Gewichten?
Auch Calisthenics ist Krafttraining gegen einen Widerstand. Der wesentliche Unterschied liegt darin, wie du diesen Widerstand erzeugst und mit der Zeit erhöhst.
| Thema | Calisthenics mit dem eigenen Körpergewicht | Freie Gewichte oder Geräte |
|---|---|---|
| Hauptwiderstand | Dein Körpergewicht und deine Körperposition | Zusätzliche Lasten wie Kurz- und Langhanteln oder Trainingsgeräte |
| Steigerung | Winkel, Unterstützung, Bewegungsumfang oder Übungsvariante verändern | Das Gewicht lässt sich häufig in kleineren Schritten erhöhen |
| Trainingsort | Zu Hause, im Park oder im Studio | Dort, wo die benötigte Ausrüstung steht |
| Beispiel | Von erhöhten Liegestützen zu Liegestützen am Boden wechseln | Das Gewicht beim Brustdrücken erhöhen |
Du musst dich auch nicht für eine Methode entscheiden und die andere streichen. Du kannst Klimmzüge üben und deine Beine mit Gewichten trainieren. Später lassen sich auch Calisthenics-Übungen mit zusätzlichem Gewicht ausführen. Die ACSM nennt in ihren Empfehlungen von 2026 auch Übungen mit dem eigenen Körpergewicht und Krafttraining zu Hause als wirksame Möglichkeiten. Du musst dich also nicht erst im Fitnessstudio anmelden, um loszulegen.
Für wen eignet sich Calisthenics?
Wenn du keine Lust aufs Fitnessstudio hast, zu Hause Kraft aufbauen möchtest oder gern im Park trainierst, kannst du es ausprobieren. Auch wenn du neben dem Laufen oder Radfahren Krafttraining einbauen möchtest, ist es eine Möglichkeit.
Bei Calisthenics gibt es Übungen auf sehr unterschiedlichen Niveaus. Da kann es schnell passieren, dass du ein Video mit fortgeschrittenen Übungen siehst und die Idee gleich wieder verwirfst. Genau das schreckt mich ja auch ein bisschen ab. Für den Einstieg gibt es aber einfachere Varianten: Liegestütze an der Wand, kontrolliertes Hinsetzen und Aufstehen oder unterstützte Zugübungen. Was davon passt, hängt davon ab, was du im Moment kannst. Nur weil du mit deinem eigenen Gewicht arbeitest, ist das Training übrigens nicht automatisch leicht.
Achte bei den ersten Versuchen darauf, ob du die Bewegung kontrollieren und dabei weiteratmen kannst. Bleibt deine Ausführung auch bei den letzten Wiederholungen sauber? Wenn du Gelenkschmerzen oder eine bestehende Verletzung hast, lass dir bei der Auswahl geeigneter Übungen fachlich helfen.
6 grundlegende Calisthenics-Übungen für den Einstieg
Diese Übungen werden dir häufig begegnen. Du musst sie weder alle am ersten Tag machen noch gleich ihre schwierigsten Varianten beherrschen.
1. Liegestütz
Setze die Hände ungefähr schulterbreit oder etwas weiter auseinander auf. Halte Bauch und Gesäß aktiv, beuge die Ellenbogen, senke die Brust zum Boden und drücke dich wieder hoch. Wenn die Brust nach oben kommt, sollte deine Hüfte mitgehen und nicht unten bleiben. Liegestütze beanspruchen Brust, Trizeps und Schultern. Gleichzeitig musst du deinen Rumpf stabil halten.
- Einfacher machen: Stütze die Hände an einer Wand oder auf einer festen, erhöhten Fläche ab, die nicht wegrutscht. Mit zunehmender Kraft kannst du die Höhe schrittweise verringern.
- Schwieriger machen: Wenn Liegestütze am Boden kontrolliert klappen, senke dich langsamer ab oder halte unten kurz inne.
- Darauf achten: Wenn dein unterer Rücken durchhängt oder sich nur dein Kopf dem Boden nähert, wähle eine einfachere Variante, statt mehr Wiederholungen zu erzwingen.
Unterschätze Liegestütze an der Wand nicht. Wenn deine Ausführung am Boden nach drei Wiederholungen auseinanderfällt, ist die Wand oder eine erhöhte Stützfläche der sinnvollere Anfang.
2. Kniebeuge
Stelle die Füße ungefähr hüft- bis schulterbreit auf. Beuge die Knie, führe die Hüfte nach unten und hinten und richte dich wieder auf. Lass die Füße am Boden und die Knie in Richtung der Fußspitzen zeigen. Gehe nur so tief, wie du die Bewegung angenehm und kontrolliert ausführen kannst.
- Einfacher machen: Setze dich kontrolliert auf einen stabilen Stuhl und stehe wieder auf. Stelle den Stuhl so auf, dass er nicht wegrutschen kann.
- Schwieriger machen: Senke dich langsamer ab oder halte unten kurz inne.
- Darauf achten: Nicht alle brauchen dieselbe Fußstellung oder kommen gleich tief. Verliere nicht das Gleichgewicht, nur um genauso auszusehen wie jemand im Video.
3. Klimmzug
Greife eine sicher befestigte Stange. Ziehe dich kontrolliert nach oben und senke dich wieder ab, statt mit Schwung zu arbeiten. Wenn das noch nicht klappt, kannst du die Belastung durch Unterstützung mit den Füßen oder eine andere geeignete Hilfe verringern.
- Einfacher machen: Nutze eine geeignete niedrige Stange für eine Zugübung, bei der deine Füße am Boden bleiben und mithelfen. Bei einem Widerstandsband prüfst du vorher Zustand und sicheren Sitz.
- Schwieriger machen: Verringere die Unterstützung. Wenn vollständige Klimmzüge gut klappen, kannst du dich langsamer absenken oder kurze Haltephasen einbauen.
- Darauf achten: Strecke nicht den Hals, um das Kinn irgendwie über die Stange zu bekommen. Wenn du dich nicht hochziehen kannst, nutze mehr Unterstützung. Ein vollständiger Klimmzug muss am ersten Tag nicht drin sein.
4. Dips
Bei Dips stützt du dich mit den Armen auf einem Barren ab, senkst deinen Körper und drückst dich wieder hoch. Dafür brauchst du Kontrolle in den Schultern und im Oberkörper. Dips gehören zu den gängigen Übungen, müssen aber nicht gleich in dein erstes Training.
- Einfacher machen: Nutze einen geeigneten Barren, unterstütze dich mit den Füßen und arbeite zunächst in einem kleinen, angenehmen Bewegungsumfang. Ist auch das zu schwer, kannst du deine Druckkraft erst einmal mit erhöhten Liegestützen aufbauen. Sie dienen der Vorbereitung und sind kein direkter Ersatz für Dips.
- Schwieriger machen: Verringere die Unterstützung durch die Füße, bis du dein volles Körpergewicht kontrolliert bewegen kannst. Fortschritt bedeutet dabei nicht, dich immer tiefer nach unten zu zwingen.
- Darauf achten: Bei Schmerzen an der Vorderseite der Schulter hörst du auf. Zwei nebeneinandergestellte Stühle ergeben übrigens noch keinen sicheren Barren.
5. Plank oder Unterarmstütz
Platziere die Ellenbogen unter den Schultern. Stütze dich auf Unterarme und Zehenspitzen und halte deinen Körper in Position. Schiebe die Hüfte nicht zu weit nach oben und lass den unteren Rücken nicht durchhängen. Atme weiter.
- Einfacher machen: Lege die Knie auf den Boden oder stütze die Unterarme auf einer festen, erhöhten Fläche ab.
- Schwieriger machen: Wenn du die Position halten kannst, schiebe die Ellenbogen etwas weiter nach vorn. Dadurch wird der Hebel länger.
- Darauf achten: Halte nicht länger durch, wenn du dafür deine Position verlierst. Kurze, kontrollierte Versuche reichen für den Anfang.
6. Ausfallschritt
Beginne im Stand, setze ein Bein nach hinten und beuge beide Knie, um dich kontrolliert abzusenken. Drücke dich über den vorderen Fuß zurück in den Stand. Wähle die Schrittlänge so, dass du das Gleichgewicht halten kannst.
- Einfacher machen: Halte dich leicht an einer festen Stütze fest und mache einen Split Squat: Die Füße bleiben in Schrittstellung stehen, während du dich absenkst und wieder aufrichtest.
- Schwieriger machen: Senke dich beim freien Rückwärts-Ausfallschritt langsamer ab oder halte unten kurz inne.
- Darauf achten: Wenn du bei jeder Wiederholung zur Seite kippst, nutze zunächst eine Stütze. Gewöhne dich an die Bewegung und reduziere die Unterstützung danach.
Ein Beispiel für ein 20–30-minütiges Anfängertraining
Die Übungen kennen wir jetzt. Wie könnte ein Training aussehen, wenn du sie zusammenstellst? Die Tabelle gibt dir eine erste Orientierung. Sie ist ein allgemeines Beispiel für gesunde Erwachsene, die ohne Schmerzen trainieren können. Passe die Wiederholungen an deinen aktuellen Stand an. Wenn du dreimal pro Woche trainieren möchtest, könntest du Montag, Mittwoch und Freitag wählen, mit Ruhetagen dazwischen. Hast du länger keinen Sport gemacht, kannst du in den ersten Wochen auch mit zwei Einheiten anfangen. Lieber langsam an die Routine gewöhnen, als gleich drei Termine vollzupacken und in der nächsten Woche keinen mehr zu schaffen.
Plane ungefähr 5 Minuten zum Aufwärmen ein. Gehe auf der Stelle und bewege Schultern und Handgelenke locker durch. Probiere danach ein paar leichte Kniebeugen, unterstützte Ausfallschritte und Liegestütze an der Wand. Starte nicht direkt mit der Übung, die dir am schwersten fällt. Für den Hauptteil kannst du etwa 15–20 Minuten einplanen. Mache beide Sätze einer Übung, bevor du zur nächsten wechselst. Beim ersten Versuch kann auch ein Satz pro Übung reichen.
| Übung | Sätze × Wiederholungen / Zeit | Einfache Variante |
|---|---|---|
| Kniebeuge | 2 × 8–10 | Auf einen Stuhl setzen und wieder aufstehen |
| Liegestütz | 2 × 5–8 | An der Wand oder mit den Händen auf einer erhöhten Fläche |
| Unterstützte Zugübung | 2 × 5–8 | An einer geeigneten niedrigen Stange mit Unterstützung der Füße |
| Rückwärts-Ausfallschritt | 2 × 5–6 pro Bein | Split Squat mit Festhalten |
| Plank | 2 × 10–20 Sekunden | Knie am Boden oder Unterarme erhöht |
Mache zwischen den Sätzen ungefähr 60–90 Sekunden Pause. Wenn das nicht reicht, warte etwas länger. Nur weil in der Tabelle acht Wiederholungen stehen, musst du die letzten drei nicht mit schlechter Ausführung durchziehen. Beende den Satz möglichst so, dass du noch ein paar weitere saubere Wiederholungen schaffen würdest. Gehe zum Abschluss zwei bis drei Minuten locker umher und lass deine Atmung zur Ruhe kommen. Die Zeitangaben sind ungefähr. Brauchst du längere Pausen, kann die Einheit etwas länger dauern.
Falls du gerade denkst: „Ich habe zu Hause keine Stange. Was mache ich mit der Zugübung?“, kannst du sie an diesem Tag weglassen. Dir sollte nur klar sein, dass dann die Zugbewegung fehlt. Vielleicht kannst du an einem anderen Tag im Park trainieren oder ein Widerstandsband mit einer geeigneten Befestigung nutzen. Auf dem Bauch zu liegen und die Arme anzuheben ersetzt keinen Klimmzug. Dips habe ich bewusst nicht in die Tabelle aufgenommen. Am Anfang musst du sie nicht zusätzlich zu den Liegestützen erzwingen. Komm erst einmal mit diesem Ablauf zurecht, danach kannst du die Übungsauswahl weiterentwickeln.
Wann solltest du die Übungen schwieriger machen?
Nehmen wir an, du machst Liegestütze mit den Händen auf einer erhöhten Fläche. Wenn du zwei Sätze mit je acht Wiederholungen über mehrere Einheiten hinweg gut schaffst, kannst du eine etwas niedrigere Fläche ausprobieren. Werden Kniebeugen leicht, senkst du dich langsamer ab oder hältst unten kurz inne. Ändere nur nicht alles auf einmal. Wenn du die Stützhöhe verringerst und gleichzeitig Wiederholungen und Sätze erhöhst, weißt du hinterher kaum, was zu viel war. Verändere eine Sache und schau, wie es läuft.
Du brauchst auch keine komplizierte App, um deine Fortschritte festzuhalten. Eine Notiz auf dem Handy mit Übung, Variante und Wiederholungen reicht. Nach ein paar Wochen kannst du zurückblicken und sehen, ob du vorankommst oder noch genau dasselbe machst.
Training zu Hause und im Calisthenics-Park
Zu Hause reichen für den Anfang möglicherweise ein rutschfester Boden und genug Platz, um dich frei zu bewegen. Wenn du eine Matte hast, nutze sie. Das kann für Knie und Unterarme angenehmer sein. Hast du keine, musst du das Training deshalb nicht verschieben. Wichtiger ist, dass alles, worauf du dich abstützt, weder rutscht noch umkippt.
In Calisthenics-Parks findest du meist Klimmzugstangen, Barren und feste Stangen in unterschiedlichen Höhen. Natürlich ist nicht jeder Outdoor-Trainingsplatz gleich ausgestattet. Wenn du vorher Fotos findest, bekommst du schon einen Eindruck davon, was dich erwartet.

Vor Ort schaust du dir die Geräte erst einmal an. Wackelt die Stange? Sind die Griffe nass? Hast du genug Platz, um dich abzusenken oder herunterzusteigen? Gerade bei Regenwetter solltest du das prüfen, bevor du loslegst.
Ohne Stange zu Hause sucht man schnell nach Alternativen. Ein Handtuch um die Türklinke zu legen oder sich unter einen Tisch zu hängen, dessen Stabilität man nicht kennt, ist allerdings keine gute Idee. Bei einer Klimmzugstange für den Türrahmen müssen auch der Rahmen und die Montage zu den Vorgaben des Herstellers passen. Verlass dich nicht darauf, dass sie schon halten wird, nur weil sie an ihrem Platz sitzt. Wenn du lieber zu Hause trainierst, hilft es, den Ablauf vorher festzulegen. Sonst macht man zwei Übungen, schaut aufs Handy und die Satzpause dauert plötzlich etwas länger als geplant. Öffne die Tabelle, räume deine Trainingsfläche frei und fang dann an.
Was bringt Calisthenics beim Laufen, Radfahren und für HYROX?
Wenn du läufst oder Rad fährst, kann zusätzliches Krafttraining schnell nach noch einem Termin aussehen, den du irgendwie unterbringen musst. Dann kommen der Weg ins Studio und die Geräteplanung dazu, und schon wird es wieder verschoben. Eine kurze Einheit zu Hause oder im Park kann den Einstieg erleichtern. Beim Laufen kannst du mit Kniebeugen und Ausfallschritten die Beine trainieren und mit Übungen wie Planks an deiner Rumpfkontrolle arbeiten. Werden diese Übungen mit der Zeit sehr leicht, reichen dieselben Wiederholungen aber möglicherweise nicht mehr aus. Dann kann eine schwierigere Variante oder zusätzliches Gewicht nötig sein.
Beim Radfahren sieht es ähnlich aus. Du kannst dein Training um Übungen für Oberkörper und Rumpf ergänzen. Deute Beschwerden auf dem Rad aber nicht sofort als „Mir fehlt Kraft, das löse ich mit Calisthenics“. Auch deine Sitzposition, die Radeinstellung und die gesamte Trainingsbelastung können eine Rolle spielen.
Für HYROX können Ausfallschritte, Rumpfübungen und das kontrollierte Hinlegen und Wiederaufstehen nützlich sein. Auf Schlitten schieben, Tragen mit Zusatzgewicht und die anderen Stationen musst du dich trotzdem gesondert vorbereiten. Das Training zu Hause kann ein Anfang sein; die komplette Wettkampfvorbereitung deckt es nicht ab. Wenn du das Hinuntergehen zum Boden und Wiederaufstehen üben möchtest, schau in unsere Anleitung für Burpees. Du musst deshalb übrigens nicht gleich Burpees in diesen Plan aufnehmen. Für die erste Einheit haben wir schon genug Übungen zusammen. 🙂
Wie oft pro Woche solltest du Kraft trainieren?
Die allgemeine Empfehlung der ACSM lautet, die großen Muskelgruppen mindestens zweimal pro Woche zu trainieren. Wenn du Krafttraining neben dem Laufen oder Radfahren einbauen möchtest, kannst du mit zwei kurzen Einheiten anfangen und schauen, wie du dich erholst. Ist dein Plan ohnehin schon voll, musst du mit der dritten Einheit nicht hetzen.
Es geht dabei nicht nur um einen freien Tag im Kalender. Denk auch an den Lauf oder die Radtour am nächsten Tag. Ein ungewohntes Krafttraining solltest du insbesondere nicht direkt vor einem Wettkampf ausprobieren. Teste neue Übungen erst in einer normalen Trainingswoche und schau, wie dein Körper darauf reagiert. Wie sich das miteinander vereinbaren lässt, besprechen wir ausführlicher im Artikel darüber, wie oft Ausdauersportler Krafttraining machen sollten.
Häufige Fehler beim Calisthenics-Training
Der erste ist, sich zu sehr an einer Zahl festzubeißen. Du nimmst dir zehn Liegestütze vor, aber nach fünf bewegen sich Brust und Hüfte unabhängig voneinander. Dann kannst du bei fünf aufhören oder zu einer einfacheren Variante wechseln. Verändere nicht die ganze Bewegung, nur um deine geplante Zahl zu erreichen. Ein weiterer Fehler ist, jedes Training völlig außer Atem beenden zu wollen. Hab keine Scheu vor Satzpausen. Beim Krafttraining musst du dich so weit erholen, dass du den nächsten Satz ordentlich ausführen kannst. Viel Schweiß oder so viel Erschöpfung, dass du kaum vom Boden hochkommst, sagen allein wenig darüber aus, wie gut du trainiert hast.
Es ist auch leicht, die Lieblingsübungen immer wieder zu machen und den Rest aufzuschieben. Wenn deine Liegestütze besser werden, ist das schön. Lass Zugübungen und Beine trotzdem im Plan. Für eine Übung, die dir schwerfällt, lässt sich oft eine leichtere Variante finden. Wer nichts aufschreibt, fragt sich irgendwann: „Wie viele Wochen mache ich das jetzt eigentlich schon genauso?“ Du brauchst keinen Bericht nach jeder Einheit. Notiere einfach Übungsvariante, Sätze und Wiederholungen.
Und dann ist da noch der Vergleich mit den Videos. Plötzlich kommt einem der eigene Anfang ziemlich wenig vor. Wie schon gesagt: Mich schreckt das auch ein bisschen ab. Aber nur weil jemand einen Muscle-up macht, muss das nicht dein erstes Ziel sein. Lerne erst eine unterstützte Zugübung und schau danach, wie es weitergeht. Versuche außerdem nicht, Schmerzen einfach wegzutrainieren. Müde Muskeln und schmerzende Gelenke sind nicht dasselbe. Hör mit einer Übung auf, wenn sie Schmerzen verursacht. Bleiben die Beschwerden bestehen oder kommen sie immer wieder, lass sie abklären.
Mit einem kleinen Schritt anfangen
Meine eigene Beziehung zu Calisthenics besteht im Moment noch darin, mich ab und zu wieder dafür zu begeistern. Gerade bei den Übungen an der Stange bleibe ich etwas auf Abstand. Aber offensichtlich braucht man diese fortgeschrittenen Bewegungen nicht, um anzufangen. Wenn dich das Ganze interessiert, probiere Wandliegestütze, Kniebeugen oder unterstützte Zugübungen aus. Vielleicht gefällt es dir und du bleibst dabei. Erwarten wir nur nicht, dass wir am ersten Tag genauso aussehen wie die Person im Video. 🙂
Häufige Fragen
Kann man mit Calisthenics Muskeln aufbauen?
Ja, regelmäßiges Training mit einer passenden Belastung kann den Muskelaufbau unterstützen. Wenn eine Übung mit der Zeit sehr leicht wird, solltest du allerdings nicht dauerhaft denselben Fortschritt erwarten, wenn du alles unverändert lässt. Passe Schwierigkeit, Wiederholungen oder Sätze an deinen Bedarf an.
Kann ich anfangen, wenn ich keinen Liegestütz oder Klimmzug schaffe?
Ja. Genau deshalb haben wir über Wandliegestütze und unterstützte Zugübungen gesprochen. Klappt die vollständige Bewegung noch nicht, wählst du eine einfachere Variante. Gerade bis zum ersten Klimmzug kann es dauern. Betrachte ihn nicht als Aufnahmeprüfung.
Muss ich jeden Tag trainieren?
Nein. Für den Einstieg können zwei oder drei Einheiten pro Woche mit Erholung dazwischen reichen. Du musst nicht jeden Tag dieselben Muskeln stark belasten. Eine Bewegung locker auszuprobieren ist außerdem etwas anderes als eine anstrengende Krafteinheit. Berücksichtige das bei deiner Wochenplanung.
Verbrennt Calisthenics Fett?
Wenn du dich bewegst, verbrauchst du Energie. Daraus lässt sich aber keine einfache Rechnung machen nach dem Motto: so viel Calisthenics gleich so viel Fettverlust. Auch deine Ernährung, deine Bewegung im Alltag und deine gesamte Routine spielen eine Rolle. Erwarte vor allem nicht, mit zusätzlichen Bauchübungen gezielt nur am Bauch Fett zu verlieren.
Was muss ich für den Anfang kaufen?
Du musst nicht als Erstes einkaufen gehen. Schau zunächst, welche Übungen du zu Hause sicher machen kannst und ob es einen geeigneten Park in deiner Nähe gibt. Wenn du eine Routine gefunden hast, kannst du bei Bedarf über eine passende Stange oder ein Widerstandsband nachdenken. Versuche nicht, vor dem ersten Training schon die komplette Ausrüstung zusammenzuhaben.