Nach wie vielen Spielstunden solltest du deine Tennissaiten wechseln?
Einen Tennisschläger auszusuchen kann aufregend sein, besonders wenn es dein erster ist. Preis, Marke, Gewicht und das Gefühl in der Hand: Bei der Entscheidung spielen ziemlich viele Details mit. Ist der Schläger gekauft, bist du erst einmal erleichtert. Doch nach einiger Zeit verändert sich etwas. Der Ball geht anders vom Schläger ab, die Kontrolle fühlt sich anders an und auch die Rückmeldung beim Treffen ist nicht mehr dieselbe. Das muss nicht immer an dir liegen. Denn mit dem Kauf eines Tennisschlägers ist die Pflege deiner Ausrüstung nicht erledigt. Du solltest auch die Saiten regelmäßig prüfen und bei Bedarf wechseln lassen. Dafür musst du nicht warten, bis eine Saite reißt. Gerade bei Polyester sind Reißfestigkeit und die Dauer eines guten Spielgefühls zwei verschiedene Dinge.
Wenn du Polyestersaiten spielst, kannst du ungefähr 10–20 Stunden auf dem Platz als Orientierungsrahmen nehmen, um genauer hinzuschauen und die nächste Neubesaitung zu planen. Das bedeutet nicht, dass du die Saiten zwingend alle 20 Stunden wechseln musst. Allerdings reicht es auch nicht, dass sie noch unbeschädigt aussehen. Spielgefühl, Verschleiß und gesamte Nutzungsdauer solltest du gemeinsam betrachten. Diesen Stundenbereich einfach auf andere Saitentypen zu übertragen, wäre nicht der richtige Ansatz.
Zuerst: Welche Saite ist auf deinem Schläger?
Tennissaiten sehen oft ähnlich aus, altern aber nicht alle auf dieselbe Weise. Bevor du den Besaitungsrhythmus anderer übernimmst, solltest du deshalb wissen, welche Saite du spielst. Wenn du unsicher bist, frag im Geschäft nach, in dem du deinen Schläger gekauft hast, oder bei deinem Besaiter.
| Saitentyp | Woran solltest du den Wechselzeitpunkt festmachen? |
|---|---|
| Polyester / Co-Polyester | Nimm ungefähr 10–20 Spielstunden als Orientierungsrahmen für die Kontrolle. Lässt das Spielgefühl früher nach, warte nicht erst darauf, diese Stundenzahl zu erreichen. |
| Multifilament | Achte statt auf eine feste Stundengrenze auf zunehmendes Ausfransen, deutlich dünner werdende Stellen und Veränderungen beim Ballkontakt. |
| Kunstdarm / Synthetic Gut | Beziehe neben der Spielzeit auch Verschleiß, Kontrolle und das Gefühl für die Saitenspannung ein. |
| Naturdarm / Natural Gut | Kann die Spannung gut halten. Beobachte den mechanischen Verschleiß und mögliche Auswirkungen von Feuchtigkeit. |
| Hybridbesaitung | Zwei unterschiedliche Saiten werden kombiniert. Beurteile die Besaitung insgesamt, statt dich nur an der haltbarer wirkenden Saite zu orientieren. |
Der Zeitrahmen für Polyester bezieht sich eher darauf, wie lange die Saite ihre Spieleigenschaften behält, als darauf, wann sie reißt. Auch der Saitenhersteller reString erklärt die 10–20 Stunden mit dieser Unterscheidung. Tennis Warehouse University weist darauf hin, dass Spieler das Gefühl einer „toten“ Saite, besonders bei Polyester, nach unterschiedlich langer Nutzung beschreiben. Selbst wenn du dieselbe Saite wie jemand aus deinem Freundeskreis spielst, müsst ihr sie also nicht unbedingt gleichzeitig wechseln. Wie und wie viel du spielst, gehört ebenfalls zur Rechnung.
Warum werden Polyestersaiten gewechselt, bevor sie reißen?
Eine intakt aussehende Saite auszutauschen kann zunächst unnötig wirken. Schließlich ist nichts gerissen. Doch die Kontrolle und das Spinpotenzial, die Polyester passenden Spielern bieten kann, bleiben nicht unbedingt bis zum Reißen auf demselben Niveau. Mit der Nutzung können Spannungsverlust und Verschleiß an den Kontaktstellen zwischen den Saiten die Reaktion des Saitenbetts verändern. Das Saitenbett ist einfach die Schlagfläche, die von den Saiten im Schläger gebildet wird. Diese Veränderungen können auch beeinflussen, wie die Saiten beim Schlag seitlich ausweichen und in ihre ursprüngliche Position zurückkehren. Diese Rückbewegung nennt sich „Snapback“.
Wenn Spieler sagen, ihre Saite sei „tot“, meinen sie meistens, dass die gewohnte Rückmeldung fehlt. Manche berichten, dass der Ball weniger kontrolliert vom Schläger abgeht. Andere bekommen nicht mehr so mühelos Länge in ihre Schläge. Eine alternde Saite macht sich also nicht bei allen auf dieselbe Weise bemerkbar. Gerade bei Polyester reicht „Ich spiele weiter, bis sie reißt“ als alleiniger Maßstab für die Pflege nicht aus.
Was bedeuten 10–20 Stunden für deinen Spielplan?
Gemeint ist nicht die Zeit, die dein Schläger in der Tasche verbringt. Es geht ungefähr um die Zeit, in der du auf dem Platz spielst. Du musst dabei auch nicht jede Sekunde mit Ballkontakt zählen. Es reicht, deine Einheiten nach einem einheitlichen Prinzip zu notieren. Wenn du zum Beispiel zweimal pro Woche jeweils eineinhalb Stunden spielst, kommst du auf drei Stunden pro Woche. In diesem Rhythmus erreichst du:
- 10 Spielstunden nach ungefähr 3–4 Wochen.
- 20 Spielstunden nach ungefähr 6–7 Wochen.
Diese Rechnung hilft dir einzuschätzen, wann du deine Polyestersaiten genauer prüfen solltest. Sie bedeutet nicht automatisch: „Sechs Wochen sind um, jetzt muss eine neue Besaitung her.“ Harte Schläge, viel Topspin, das Saitenmodell, der Durchmesser und die anfängliche Besaitungshärte können den Zeitpunkt beeinflussen.
Woran erkennst du, dass eine neue Besaitung anstehen könnte?
1. Deine gewohnten Schläge geben dir eine andere Rückmeldung
Wenn du unter ähnlichen Bedingungen spielst, sich der Ballabgang aber wiederholt anders anfühlt, lohnt sich ein Blick auf die Saiten. Auch wenn du deinen Schwung ständig anpassen musst, um einen bisher vertrauten Schlag ins Feld zu bringen, solltest du genauer hinsehen.
Natürlich sind die Saiten nicht für jeden Ball verantwortlich, der im Aus landet. Alte Bälle, Wind, Müdigkeit und Technik können ebenfalls eine Rolle spielen. Entscheide deshalb nicht nach einem einzigen schlechten Satz, sondern achte auf Veränderungen, die sich über mehrere Einheiten wiederholen.
2. An den Kreuzungspunkten entstehen deutliche Kerben
Wenn Saiten aneinanderreiben, können sich an den Kontaktstellen kleine Kerben bilden. Werden sie deutlicher und finden verschobene Saiten nur noch schwer in ihre Ausgangsposition zurück, sind das besonders bei Polyester Hinweise, die du beobachten solltest.
Du kannst eine Saite mit dem Finger vorsichtig zur Seite schieben, loslassen und schauen, wie sie reagiert. Als alleiniger, eindeutiger Test taugt das aber nicht. Auch Saitentyp und Besaitung beeinflussen diese Bewegung. Beurteile deine Beobachtung zusammen mit dem Gefühl beim Spielen.
3. Bei Multifilamentsaiten wird der Verschleiß deutlicher
Multifilamentsaiten können mit der Zeit an der Oberfläche ausfransen und etwas fusselig aussehen. Das bedeutet nicht automatisch, dass ihre Nutzungsdauer vorbei ist.
Kommen jedoch deutlich dünner werdende Stellen, starker Faserverlust und ein verändertes Spielgefühl zusammen, solltest du sie prüfen lassen. Erwarte bei Multifilament nicht genau dieselben Anzeichen wie bei Polyester. Unterschiedliche Materialien können auch unterschiedlich verschleißen.
4. Der Ballkontakt fühlt sich nicht mehr so angenehm an
Wenn dir beim Treffen der gewohnte Komfort fehlt, lass Schläger und Saiten kontrollieren. Führe neue oder anhaltende Schmerzen aber nicht automatisch auf die Besaitung zurück. Statt mit Schmerzen weiterzuspielen, solltest du die Ursache abklären. Eine frische Besaitung bedeutet nicht, dass sich jedes unangenehme Gefühl von selbst erledigt.
Stimmt die Regel „So oft pro Jahr neu besaiten, wie du pro Woche spielst“?
Vielleicht hast du diesen Tipp schon beim Einstieg ins Tennis gehört. Die Idee ist einfach: Wer zweimal pro Woche spielt, soll zweimal pro Jahr neu besaiten lassen. Als grobe Orientierung lässt sich das gut merken. Zwei kurze Trainingseinheiten pro Woche bedeuten aber nicht dieselbe Belastung wie zwei lange Matches. Außerdem berücksichtigt die Rechnung nicht, welche Saite du spielst.
Tennis Warehouse nennt diese Regel und weist zugleich darauf hin, dass bei Polyester häufigere Wechsel nötig sein können. Babolat spricht in seiner allgemeinen Empfehlung zum Erhalt der Spieleigenschaften von einer Neubesaitung mindestens alle drei Monate.
Diese Empfehlungen solltest du daher nicht als einen festen Zeitplan verstehen, der für alle gilt. Der Kalender kann dich an die Kontrolle erinnern. Über den Wechsel sollten Spielzeit, Zustand der Saiten und Spielgefühl gemeinsam entscheiden. Gerade wenn du regelmäßig Polyester spielst, solltest du dich nicht allein auf eine bestimmte Anzahl an Neubesaitungen pro Jahr verlassen.
Altern Saiten auch, wenn du wenig spielst?

Wenn du nur gelegentlich Tennis spielst, denkst du vielleicht: „Ich benutze sie doch kaum, da wird schon nichts sein.“ Doch Saiten können auch unbenutzt mit der Zeit Spannung verlieren. Du solltest deshalb nicht davon ausgehen, dass ein Schläger nach Monaten in der Tasche noch genauso reagiert wie bei deinem letzten Spiel.
Auch der Aufbewahrungsort zählt. Ein heißer Kofferraum und direkte Sonne sind keine geeigneten Bedingungen für Saiten. Halte deinen Schläger möglichst von extremer Hitze und großen Temperaturschwankungen fern. Bei Naturdarm solltest du außerdem auf Feuchtigkeit achten. Wenn du nach einer längeren Pause auf den Platz zurückkehrst, schau dir zuerst die Saiten an. Weißt du nicht, wann und mit welcher Saite der Schläger bespannt wurde, ist eine Kontrolle beim Besaiter ein sinnvoller Anfang.
Wie findest du deinen eigenen Rhythmus für den Saitenwechsel?
Damit du nicht jedes Mal rätseln musst, wie lange diese Saiten eigentlich schon auf dem Schläger sind, reicht eine kurze Notiz im Handy. Eine ausführliche Trainingstabelle brauchst du dafür nicht. Diese Angaben helfen dir weiter:
- Marke, Modell und Durchmesser der Saite: Beim nächsten Wechsel weißt du, was du gespielt hast.
- Besaitungsdatum und Besaitungshärte: So behältst du sowohl die vergangene Zeit als auch deine bisherige Einstellung im Blick.
- Ungefähre Spielzeit: Addiere nach jeder Einheit die gespielte Zeit.
- Der Zeitpunkt der ersten Veränderung: Notiere kurz, wann dir Unterschiede bei Kontrolle, Komfort oder Ballabgang auffallen.
Wenn du beim nächsten Besaiten dieselbe Saite und Besaitungshärte verwendest, kannst du den Unterschied zwischen der alten und der neuen Besaitung leichter erkennen. Wechselst du Saite, Besaitungshärte und Schläger gleichzeitig, wird es schwieriger, die Veränderungen zuzuordnen.
Nach einigen Wechseln dürfte sich klarer zeigen, welcher Rhythmus zu deiner Nutzung passt. Musst du sehr häufig neu besaiten lassen, suche die Lösung nicht ausschließlich in einer dickeren Saite. Besprich mit deinem Besaiter, ob dein Saitentyp zu deinem Spiel, deinen Erwartungen und deinen Pflegegewohnheiten passt.
Bei der Schlägerwahl achtest du auf Gewicht, Balance und das Gefühl in der Hand. Die Saiten verdienen während ihrer Nutzung eine ähnliche Aufmerksamkeit. Denn nur weil sie noch an ihrem Platz sind, spielen sie sich nicht automatisch noch wie am ersten Tag.