Garmin oder Apple Watch? Welche solltest du wirklich kaufen?
Wenn du mit dem Laufen anfängst, passiert etwas Merkwürdiges. Zuerst willst du einfach nur ein Paar bequeme Laufschuhe. Dann werden plötzlich andere Modelle interessant. Und ehe du dich versiehst, schaust du dir Funktionsshirts und passende Socken für jede Jahreszeit an.
Irgendwann denkst du: „Beim Laufen kann ich nicht mal vernünftig Musik hören.“ Also recherchierst du verschiedene Kopfhörer und kaufst dir schließlich ein Paar. Danach ist die Uhr dran. Und genau dann begegnen dir ständig dieselben zwei Namen: Apple Watch und Garmin.
Im Internet findest du Tausende Videos und Artikel, die beide miteinander vergleichen. Wenn du Instagram nutzt, kennst du bestimmt auch die Garmin-Witze. Etwa die unzähligen Beiträge darüber, dass dich die Apple Watch nach dem Training lobt, während Garmin dir erst einmal aufzählt, was alles noch nicht gut genug war. Vieles davon ist natürlich übertrieben.
Allerdings nutzen viele der Leute, die solche Vergleiche machen, bereits eine der beiden Marken. Da bleibt die Bewertung nicht immer ganz neutral. Ehrlich gesagt ist „Welche ist besser?“ auch nicht die hilfreichste Frage, um Apple Watch und Garmin zu vergleichen. Denn die beiden wurden nicht mit demselben Hauptziel entwickelt.
Ja, beides sind Uhren für unser Handgelenk. Beide messen unseren Puls. Beide haben GPS. Und mit beiden können wir trainieren.
Aber während die eine vor allem eine leistungsfähige Smartwatch sein möchte, soll die andere in erster Linie eine umfassende Trainingsuhr für Sportler sein. Sobald du diesen Unterschied im Kopf hast, wird die Entscheidung deutlich leichter.
Garmin oder Apple Watch? Stell dir zuerst diese Frage
Bevor wir eine Uhr kaufen, schauen die meisten von uns erst einmal auf den Preis. Danach suchen wir das beste Modell, das unser Budget hergibt. Natürlich spielt dabei auch das Ökosystem unseres Smartphones eine wichtige Rolle.
Als Nächstes steht meistens die Akkulaufzeit auf der Liste. Dabei sollte die erste Frage eigentlich lauten:
Wofür werde ich diese Uhr den größten Teil des Tages nutzen?
Deine Antwort hilft dir, das passende Gerät zu finden. Nehmen wir an, du nutzt ein iPhone. Tagsüber liest du Nachrichten, nimmst Anrufe am Handgelenk an, steuerst deine Musik und gehst nach Feierabend noch trainieren. Für diesen Alltag könnte eine Apple Watch völlig ausreichen.
Jetzt ändern wir das Szenario.
Du läufst vier- oder fünfmal pro Woche. Du bereitest dich auf einen Wettkampf vor. Danach möchtest du dir ein größeres Ziel setzen: einen Halbmarathon, vielleicht sogar einen Marathon. Nach dem Laufen schaust du dir gern deine Trainingsdaten genauer an und suchst Antworten auf Fragen wie „Sollte ich heute Intervalle laufen?“ oder „Bin ich schon vollständig erholt?“
Genau hier zeigen sich die Vorteile von Garmin. Bei der Uhrenwahl sollte also dein Einsatzzweck an erster Stelle stehen, nicht die Marke. Und auch wenn Garmin vor allem für Laufuhren bekannt ist: Es gibt ebenso Modelle und Trainingsprofile für Radfahren, Schwimmen, Trekking, Triathlon und viele weitere Sportarten.
Garmin und Apple Watch: die Akkulaufzeit im Vergleich
Die Modelle ändern sich, doch die Akkulaufzeit der Apple Watch fällt im Vergleich zu Garmin kürzer aus.

Ich habe bisher zwei verschiedene Apple Watches genutzt, und eine davon trage ich noch immer. Anfangs war die Akkulaufzeit für mich kein großes Thema. Vergleicht man sie aber mit anderen Modellen, lässt sich der Unterschied kaum übersehen.
Bei Garmin gibt es Modelle, die mit einer Ladung wochenlang durchhalten. Gerade wenn du lange draußen unterwegs bist, ist das ein echter Vorteil. Nutzt du GPS und Karten in einer Gegend ohne Handyempfang, möchtest du nicht ständig überlegen: „Hält der Akku meiner Uhr noch durch?“ Genau dann wird Garmins lange Akkulaufzeit besonders wertvoll.
Bei der Apple Watch gehört es für viele Nutzer dagegen zur Routine, die Uhr jeden Abend oder jeden zweiten Tag zu laden. Wenn du nur grundlegende Funktionen nutzt, lässt sich die Laufzeit natürlich etwas verlängern.
Manchen ist das völlig egal. Für andere ist es wichtig genug, um die Kaufentscheidung zu beeinflussen. Die Frage ist einfach: Ist das für dich ein Problem?
Wenn ja, könnte Garmin die sinnvollere Wahl sein.
Ist Garmins GPS wirklich genauer?
Es gibt ein türkisches Sprichwort, das sinngemäß bedeutet: „Man muss auch dem anderen lassen, was er gut macht.“

Vor ein paar Jahren war die Antwort auf diese Frage ziemlich eindeutig. Beim GPS lag Garmin klar vorn. Inzwischen hat Apple aber deutlich aufgeholt. Besonders die Apple Watch Ultra liefert bei der GPS-Genauigkeit sehr gute Ergebnisse.
Wenn du wie ich auf offenen Flächen und gewöhnlichen Strecken läufst, wirst du im Alltag kaum einen Unterschied zwischen beiden bemerken. Garmin hat hier allerdings einen wichtigen Vorteil: Die Uhr zeigt dir nicht nur deine Strecke, sondern liefert dir rund ums Laufen deutlich mehr Daten:
- Aktuelles Tempo
- Durchschnittstempo
- Schrittfrequenz
- Höhe
- Herzfrequenzzonen
- Bodenkontaktzeit
- Vertikale Bewegung
- Erholungszeit
- Trainingsbelastung
- VO₂ Max
- Training Readiness
- HRV Status
Wenn dir die meisten dieser Begriffe nichts sagen oder sie dich ehrlich gesagt einfach nicht interessieren, brauchst du Garmins erweiterte Sportfunktionen im Moment vielleicht gar nicht. Ist Laufen für dich aber zu einem ernsthaften Hobby geworden und möchtest du deine Leistung gezielt verbessern, ergibt Garmin deutlich mehr Sinn. Was solche Daten für deinen Trainingsplan bedeuten, erklären wir in unserem Artikel über Grundlagentraining.
Warum wird Apple beim Gesundheitstracking so oft gelobt?
Bisher ging es vor allem um Garmins Stärken. Gibt es auch Bereiche, in denen Apple besonders gut ist? Natürlich.
Gerade bei den Gesundheitsfunktionen ist Apple stark aufgestellt. Die Apple Watch bietet viele Funktionen, die im Alltag hilfreich sein können, darunter:
- EKG
- Mitteilungen bei unregelmäßigem Herzrhythmus
- Sturzerkennung
- Erfassung der Schlafphasen
- Erfassung von Temperaturveränderungen
- Erinnerungen an Medikamente
Garmin setzt einen anderen Schwerpunkt. Statt dir gewissermaßen einen Gesundheitsbericht zusammenzustellen, möchte die Uhr vor allem helfen, deine Leistung zu verbessern.
Ist dein HRV-Wert morgens niedrig, sagt sie dir das. Ist deine Trainingsbelastung zu hoch, weist sie dich darauf hin. Bist du noch nicht vollständig erholt, empfiehlt sie dir etwas mehr Ruhe.
Apple möchte dir zu einem gesünderen Alltag verhelfen, Garmin möchte dich zu einem besseren Sportler machen.
Und wie sieht es mit dem Display aus?
Darüber müssen wir nicht lange reden. Das Display der Apple Watch gehört weiterhin zu den besten auf dem Markt. Die Animationen laufen flüssig, und die Bedienung per Touchscreen funktioniert sehr gut.
Garmin hat in den vergangenen Jahren mit dem Einsatz von AMOLED-Displays deutlich aufgeholt. Gerade neuere Modelle der Forerunner- und Fenix-Reihen haben hochwertige Bildschirme. Trotzdem lässt sich sagen, dass die Apple Watch beim gesamten Display-Erlebnis noch etwas vorn liegt.
Beim Laufen ist allerdings oft wichtiger, ob du das Display in der Sonne gut ablesen kannst, als wie kräftig die Farben wirken. Dank seiner Ausrichtung auf Sport schneidet Garmin auch hier gut ab.
Der Preis wird oft zu wenig hinterfragt
Viele von uns denken: „Wenn es teurer ist, muss es besser sein.“ Aber wie sinnvoll ist es, Tausende Lira mehr für Funktionen auszugeben, die wir gar nicht brauchen? Wenn du bisher 5 oder 10 Kilometer läufst, würde ich dir nicht empfehlen, allein deshalb zu Garmins Spitzenmodellen zu greifen, weil sie die besten der Reihe sind.
Genauso wäre eine Smartwatch, die hauptsächlich für den Alltag entwickelt wurde, nicht unbedingt die passende Wahl für jemanden, der sich auf einen Marathon vorbereitet und seine Trainingsdaten ausführlich analysieren möchte.
Wenn man die Elektronikpreise hier in der Türkei bedenkt, kann es sinnvoll sein, ein Modell zu wählen, das man viele Jahre nutzen kann. Das heißt aber nicht, dass du als Einsteiger gleich die teuerste Uhr kaufen musst. Sinnvoller ist es, auch das Niveau im Blick zu haben, das du in den nächsten Jahren erreichen möchtest, statt nur deinen heutigen Stand zu betrachten.
Die Entscheidung: Garmin oder Apple Watch?
Wenn Smartwatch-Funktionen in deinem Alltag wichtig sind, du das iPhone-Ökosystem intensiv nutzt und Sport für dich vor allem zu einem gesunden Lebensstil gehört, wirst du mit einer Apple Watch wahrscheinlich sehr zufrieden sein. Sind Laufen und Outdoor-Sport dagegen ein wichtiger Teil deines Lebens geworden, hast du Wettkampfziele und möchtest du deine Leistung anhand deiner Daten verbessern, würde ich eher zu Garmin tendieren.
Wenn das Budget keine Rolle spielt, kannst du natürlich auch beide Uhren für unterschiedliche Zwecke nutzen. Soll es aber nur eine werden, schau dir zuerst deine eigenen Bedürfnisse an, bevor du dich mit den Marken beschäftigst.
Denn die richtige Uhr ist nicht die teuerste, sondern die, die am besten zu deinen Bedürfnissen passt.
Weitere Ratgeber zu Sportuhren, GPS-Geräten und anderer Technik findest du in unserer Kategorie Sporttechnologie. Wenn du das auf deiner Uhr angezeigte Tempo überprüfen oder ein Zieltempo für einen Wettkampf planen möchtest, hilft dir unser Lauftempo-Rechner.