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Outdoor-Bekleidung

Gore-Tex oder Softshell? Wann ist welche Jacke die richtige Wahl?

Advenway 3. September 2026 Aktualisiert am 4. November 2026 Teilen f W X P @
Gore-Tex oder Softshell

Wenn du anfängst, dich mit Outdoor-Ausrüstung zu beschäftigen, begegnet dir ein Begriff ziemlich schnell: Gore-Tex. Für viele bedeutet „die beste Jacke“ sogar fast automatisch „eine Gore-Tex-Jacke“.

Der Gedanke ist nachvollziehbar. Schließlich kosten Gore-Tex-Produkte meistens mehr als andere Jacken derselben Marke. Irgendwann schleicht sich da ganz von selbst die Logik ein: „Wenn es teuer ist, muss es gut sein.“ Nur gehört genau das zu den häufigsten Denkfehlern beim Ausrüstungskauf.

Liest du dich etwas weiter ein, taucht plötzlich noch ein Begriff auf: Softshell. Und schon wird es unübersichtlich.

„Moment mal. War Gore-Tex nicht die teure Variante? Wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv ist es auch noch. Wozu brauche ich dann bitte Softshell?“ Vielleicht geht dir genau das gerade durch den Kopf. Woher ich das weiß? Weil ich dieselben Gedanken hatte. Die erste Frage lautet dann meistens: „Was ist denn nun besser?“

Keines ist grundsätzlich besser als das andere. Die beiden sind einfach für unterschiedliche Aufgaben gemacht.

Wahrscheinlich denkst du jetzt: „Schön und gut, aber gib mir doch bitte eine klare Antwort.“ Verständlich. Als Käufer suchen wir schließlich alle nach der einen richtigen Lösung. In der Praxis ist es nur ein bisschen komplizierter.

Schauen wir uns deshalb gemeinsam an, was Gore-Tex und Softshell unterscheidet, welche Variante bei welchem Wetter sinnvoll ist und was du wissen solltest, damit du kein Geld für die falsche Ausrüstung ausgibst.

Erst einmal klären: Gore-Tex ist kein Jackenmodell

Viele halten Gore-Tex für eine bestimmte Art von Jacke. Tatsächlich steckt dahinter eine Textiltechnologie. Wie sie funktioniert und für wen sie sinnvoll ist, erklären wir ausführlich in unserem Artikel Was ist Gore-Tex?. Im Kern soll sie drei Aufgaben möglichst gut erfüllen:

Der Unterschied zwischen Gore-Tex und Softshell
  • Wasser draußen halten.
  • Wind abhalten.
  • Dabei helfen, Wasserdampf vom Schwitzen nach außen entweichen zu lassen.

Klingt erst mal ziemlich gut, oder? Es regnet, der Wind pfeift, und du bleibst trocken.

Deshalb werden Gore-Tex-Produkte seit Jahren beim Trekking, Bergsteigen, Camping und anderen Outdoor-Aktivitäten unter schwierigen Wetterbedingungen eingesetzt. Für viele gelten sie längst als eine Art Standard.

Wenn du lange im Regen unterwegs bist oder dem Wetterbericht nicht so recht traust, kann Gore-Tex tatsächlich für deutlich mehr Komfort sorgen. Allerdings hat auch diese schöne Sache eine andere Seite.

Gore-Tex ist nicht immer die sinnvollste Wahl

Einer der häufigsten Anfängerfehler ist, bei jedem Wetter zu Gore-Tex zu greifen. Anfangs habe ich genauso gedacht. Meine Logik war einfach: „Wenn es wasserdicht ist, warum sollte ich dann etwas anderes anziehen?“

Schließlich bin ich vor Regen geschützt, spüre den Wind nicht und bin auf der sicheren Seite. Nach ein paar Wanderungen merkte ich allerdings: Manchmal war es gar nicht der Regen, der mich störte. Es war mein eigener Schweiß.

Gerade beim zügigen Wandern oder an steilen Anstiegen produziert der Körper ordentlich Wärme. Jetzt könntest du zu Recht einwenden: „Moment. Hast du nicht gerade gesagt, dass Gore-Tex Schweiß nach außen lässt?“

Ja, habe ich. Gore-Tex ist atmungsaktiv. Die Gesetze der Physik setzt es trotzdem nicht außer Kraft. Wenn du unter der Jacke sehr viel Wärme und Feuchtigkeit produzierst, kommt auch Gore-Tex irgendwann an seine Grenzen. Das Ergebnis: Draußen fällt kein Tropfen, aber unter der Jacke fühlt es sich trotzdem feucht, warm und stickig an. Und glaub mir, besonders angenehm ist das nicht. Genau hier kommt Softshell ins Spiel.

Was ist Softshell?

Ganz einfach gesagt ist Softshell eine äußere Bekleidungsschicht, bei der Komfort im Vordergrund steht. Typischerweise ist sie:

  • elastisch,
  • geräuscharm,
  • angenehm bei viel Bewegung,
  • atmungsaktiver,
  • und bietet Schutz vor leichtem Regen und Wind.

Einen Nachteil gibt es allerdings: Softshell-Produkte sind nicht vollständig wasserdicht. Wenn du lange in kräftigem Regen unterwegs bist, wirst du irgendwann nass.

Im Alltag und bei vielen Outdoor-Aktivitäten ist das aber oft kein großes Problem. Seien wir ehrlich: Wie viele von uns wandern regelmäßig stundenlang durch strömenden Regen?

Gerade bei Spaziergängen in der Stadt, herbstlichen Trekkingtouren oder Aktivitäten in der Natur bei trockenem Wetter können Softshelljacken ausgesprochen praktisch sein.

Wie sich mein Blick auf Softshell verändert hat

Als ich anfing, mich mit Outdoor-Ausrüstung zu beschäftigen, hatte ich fast nur ein Kaufkriterium: Gore-Tex musste es sein. Das Internet weiß eben ziemlich gut, wie man uns das Wort „wasserdicht“ schmackhaft macht.

Irgendwann habe ich mir dann meine tatsächliche Nutzung angeschaut. Bei den meisten meiner Spaziergänge in Istanbul war ich gar nicht im Regen unterwegs. Und auch auf Wanderungen blieb es den Großteil des Tages trocken.

Also fragte ich mich: „Wenn es die meiste Zeit gar nicht regnet, warum trage ich dann ständig etwas, das für Regen gemacht ist?“ Dazu kommt, dass Gore-Tex von seiner Beschaffenheit her steifer ist und sich eher wie eine feste Außenhülle anfühlt. Musste ich das wirklich die ganze Zeit tragen?

Zum Glück war ich mit diesem Denkfehler nicht allein. Mit der Zeit erfuhr ich, dass viele erfahrene Trekkingfans sowohl Softshell als auch eine Regenjacke dabeihaben. Die Entscheidung lautet also gar nicht unbedingt „entweder oder“. Es geht darum, die passende Ausrüstung im richtigen Moment zu nutzen.

Wann solltest du Gore-Tex wählen?

Bis hierhin könnte der Text fast wie ein Plädoyer gegen Gore-Tex wirken. Das ist er ganz sicher nicht. In manchen Situationen ist es nach wie vor die sinnvollste Wahl.

Wenn länger anhaltender Regen angesagt ist

Wenn du weißt, dass du mehrere Stunden im Regen unterwegs sein wirst, solltest du zu Gore-Tex greifen. Eine Softshelljacke reicht dann nicht aus.

In großer Höhe und bei rauem Wetter

In den Bergen kann das Wetter innerhalb weniger Minuten umschlagen. Wind, Regen und niedrige Temperaturen können gleichzeitig auf dich zukommen. Unter solchen Bedingungen bietet Gore-Tex klare Vorteile.

Auf mehrtägigen Trekkingtouren

Wenn du mehrere Tage draußen bleibst, ist es wichtig, trocken zu bleiben. Nasse Ausrüstung drückt auf die Stimmung und kann auch deine Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Auf längeren Touren ist es deshalb sinnvoll, immer eine wasserdichte Außenschicht dabeizuhaben.

Im Winter

Gerade wenn du in einer regenreichen und windigen Gegend lebst, kann eine Gore-Tex-Jacke eine sehr vernünftige Wahl sein.

Wann ist Softshell sinnvoller?

Das Interessante daran: deutlich häufiger, als viele von uns denken.

Im Alltag

Die meisten von uns leben in der Stadt und laufen nicht jeden Tag durch strömenden Regen. Deshalb ist Softshell im Alltag oft die angenehmere Wahl.

Beim Trekking und Wandern

Wenn es trocken ist oder höchstens leichter Regen droht, kann Softshell die bessere Wahl sein als Gore-Tex. Du kannst dich freier bewegen und schwitzt weniger.

Bei bewegungsintensiven Aktivitäten

Beim schnellen Gehen, lockeren Laufen, Radfahren oder auf Touren mit hohem Tempo spielt Atmungsaktivität eine große Rolle. Hier hat Softshell meistens die Nase vorn.

Im Frühling und Herbst

Die Übergangszeit ist weder so richtig Winter noch so richtig Sommer. Für genau solche Bedingungen ist Softshell wie gemacht.

Die sinnvollste Lösung: das Schichtenprinzip

Es gibt ein Prinzip, das sich draußen seit Jahren bewährt: das Schichtenprinzip, auch Layering genannt.

Das Schichtenprinzip

Erfahrene Outdoor-Fans versuchen meistens nicht, sämtliche Probleme mit einer einzigen Jacke zu lösen. Stattdessen nutzen sie ein System aus drei Schichten:

  • Basisschicht: ein Funktionsshirt, das Schweiß vom Körper wegleitet.
  • Mittelschicht: Fleece oder eine leichte Isolationsschicht.
  • Außenschicht: Softshell oder Gore-Tex.

Bei gutem Wetter reicht die Softshelljacke. Fängt es an zu regnen, kommt die Gore-Tex-Jacke aus dem Rucksack zum Einsatz.

Auf den ersten Blick klingt das vielleicht nach etwas viel Ausrüstung. In der Praxis ist dieses System aber deutlich komfortabler und flexibler.

Fazit: Gore-Tex und Softshell sind keine Gegner

Wer sich mit Outdoor-Ausrüstung beschäftigt, betrachtet diese beiden oft als Konkurrenten. Dabei erfüllen sie unterschiedliche Aufgaben und lösen unterschiedliche Probleme.

  • Wenn maximaler Wetterschutz für dich an erster Stelle steht, greif zu Gore-Tex.
  • Wenn dir Komfort, Bewegungsfreiheit und Atmungsaktivität wichtiger sind, ist Softshell die sinnvollere Wahl.

Mein eigener Ansatz hat sich mit der Zeit so entwickelt: Wenn wirklich Regen zu erwarten ist, nehme ich Gore-Tex mit. Wenn ich die meiste Zeit in Bewegung bin und das Regenrisiko gering ist, trage ich Softshell.

Denn bei Outdoor-Aktivitäten ist oft nicht der Regen der größte Gegner, sondern die falsche Ausrüstung.

Die richtige Schicht im richtigen Moment macht deine Zeit draußen angenehmer und sorgt dafür, dass du sie mehr genießen kannst. Weitere Ratgeber zu technischen Stoffen und Jacken findest du in unserer Kategorie Outdoor-Bekleidung.

Autor Advenway IG P YT f X

Ich bin der Gründer von Advenway und schreibe die Inhalte dieser Plattform. Aus meiner Neugier auf Sport, Natur und neue Entdeckungen entstehen Ratgeber zu verschiedenen Sportarten, Tourentipps und Beiträge rund um die Ausrüstung. Dabei teile ich meine Recherchen und persönlichen Erfahrungen verständlich und mit Blick auf das, was dir in der Praxis weiterhilft. Mein Ziel ist es, dich bei gut informierten Entscheidungen zu unterstützen – ob du eine neue Sportart ausprobieren oder dein nächstes Abenteuer planen möchtest.