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Outdoor-Bekleidung

Was bedeutet PFAS-frei? Sind neue wasserabweisende Ausrüstungen so gut wie herkömmliche DWR?

Advenway 10. September 2026 Aktualisiert am 2. November 2026 Teilen f W X P @
Drei Personen wandern bei Schneefall auf einem Pfad; der Schnee auf den Jacken zeigt die DWR als erste Schutzlinie

Wenn du in letzter Zeit nach einer Regenjacke oder einer technischen Outdoorjacke gesucht hast, ist dir vermutlich eine Angabe immer häufiger begegnet: PFAS-frei. Manchmal steht dort auch „PFC-frei“, „fluorocarbon-free“ oder „made without intentionally added PFAS“. Aber was bedeutet PFAS-frei eigentlich? Und warum haben wir diesen Begriff vor ein paar Jahren kaum gesehen?

Auf den ersten Blick wirkt das vielleicht wie ein weiteres Nachhaltigkeitslabel. Bei Outdoorbekleidung steckt allerdings mehr dahinter. Denn fluorierte Chemikalien hatten jahrelang einen erheblichen Anteil an der Leistungsfähigkeit von DWR-Ausrüstungen. Sie sorgen dafür, dass Wasser auf der Jackenoberfläche kleine Tropfen bildet und abperlt. Jetzt verabschiedet sich die Branche von diesen Chemikalien. Da liegt eine Frage nahe: Sind neue DWR-Ausrüstungen ohne PFAS wirklich so gut wie die alten?

Die kurze Antwort: Bei der Wasserabweisung kommen sie den bisherigen Systemen inzwischen ziemlich nahe. Bei Öl, Schmutz und langfristiger Haltbarkeit haben ältere fluorierte Ausrüstungen jedoch noch gewisse Vorteile. Interessant ist nur: Viele davon sind für den normalen Outdooreinsatz womöglich weniger wichtig, als wir denken.

Was macht DWR überhaupt?

Eine Sache sollten wir gleich zu Beginn klären: DWR macht eine Jacke nicht wasserdicht. Die Abkürzung steht für Durable Water Repellent, also eine dauerhaft wasserabweisende Ausrüstung. Bei einer technischen Regenjacke arbeiten zwei unterschiedliche Systeme zusammen. Die DWR auf dem Außenstoff hilft dabei, dass Regentropfen abperlen, statt sich auf dem Gewebe auszubreiten. Die Membran im Inneren der Jacke bildet dagegen die eigentliche Barriere gegen eindringendes Wasser. Auch bei Systemen wie GORE-TEX beruht die Wasserdichtigkeit vor allem auf dieser Membran und der Verarbeitung der Nähte.

Warum ist DWR dann wichtig? Wenn ihre Wirkung mit der Zeit nachlässt, kann sich der Außenstoff mit Wasser vollsaugen. Die Jacke fühlt sich schwerer an, die Außenseite wird sichtbar nass und die Atmungsaktivität kann sich schlechter anfühlen. Schnell entsteht der Eindruck: „Meine Jacke ist nicht mehr dicht.“ Das muss aber nicht stimmen.

Die Membran kann weiterhin funktionieren. Nur der Außenstoff leitet das Wasser nicht mehr so gut ab wie früher. Stell es dir so vor: Wenn die wasserdichte Barriere eine Mauer ist, bildet DWR die erste Schutzlinie davor.

Was sind PFAS?

PFAS sind eine große Familie chemischer Stoffe, die als per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen bezeichnet werden. Warum sie in der Textilindustrie so lange beliebt waren, ist leicht erklärt: Sie weisen Wasser, Öl und Flecken sehr gut ab. Das Problem hängt ausgerechnet mit der Eigenschaft zusammen, die sie so leistungsfähig macht. Die Kohlenstoff-Fluor-Bindungen in PFAS-Verbindungen sind sehr stark. Dadurch sind diese Stoffe ausgesprochen beständig.

Aus demselben Grund werden sie in der Umwelt allerdings nur schwer abgebaut und können dort lange verbleiben. Was für die Textilleistung praktisch ist, wird aus Umweltsicht zu einem erheblichen Nachteil. Deshalb wendet sich die Outdoorbranche nach und nach von den fluorierten DWR-Technologien ab, die sie jahrelang eingesetzt hat.

Auch große Namen wie Patagonia, Outdoor Research und GORE-TEX haben in den vergangenen Jahren begonnen, auf Membranen und DWR-Systeme umzusteigen, die ohne PFAS entwickelt werden. PFAS-frei ist damit längst kein Nischenmerkmal einiger kleiner, umweltorientierter Marken mehr. Es entwickelt sich zu einem der neuen Standards der Branche.

Bedeutet „PFAS-frei“ wirklich absolut keine PFAS?

Hier gibt es ein kleines, aber wichtiges Detail. Manche Marken schreiben nicht einfach „PFAS-frei“, sondern „made without intentionally added PFAS“. Übersetzt bedeutet das: ohne absichtlich zugesetzte PFAS hergestellt. Auf den ersten Blick klingt beides gleich. Ganz identisch ist es aber nicht.

Produktionsketten sind komplex, und PFAS kommen auch in der Umwelt weit verbreitet vor. Deshalb ist es theoretisch möglich, dass ein Produkt Spuren davon enthält. Ein PFAS-frei-Label solltest du also nicht als Garantie lesen, dass sich darin kein einziges PFAS-Molekül befindet. Die passendere Einordnung lautet: Für die Funktion des Produkts wurde keine PFAS-Chemie eingesetzt.

Warum war die alte DWR so leistungsfähig?

Ältere fluorierte DWR-Ausrüstungen hatten einen großen Vorteil: Sie konnten neben Wasser auch Öl und verschiedene Flecken sehr gut abweisen. Einen Wassertropfen vom Stoff gleiten zu lassen, ist vergleichsweise einfach. Öl breitet sich auf Oberflächen deutlich leichter aus und kann ins Gewebe eindringen.

Genau hier waren fluorierte Ausrüstungen besonders stark. Gelangten Sonnencreme, Körperfett, Speiseöl oder andere Verschmutzungen auf die Jacke, konnte die Ausrüstung ihre Wirkung länger aufrechterhalten. Hier zeigt sich auch einer der deutlichsten Nachteile neuer PFAS-freier DWR-Systeme gegenüber ihren Vorgängern. Bei Wasser ist der Abstand stark geschrumpft. Bei Öl und Schmutz kann die ältere Technik weiterhin im Vorteil sein.

PFAS-freie DWR weist Wasser inzwischen ziemlich gut ab

Zwei Wanderer auf einem verschneiten Waldweg; PFAS-freie DWR-Ausrüstungen kommen bei Regen und Schnee nah an ältere fluorierte Systeme heran

Wenn wir nur auf Regen schauen, sieht es besser aus, als man vielleicht vermutet. Neue PFAS-freie DWR-Systeme kommen bei der Wasserabweisung inzwischen ziemlich nah an ältere fluorierte Ausrüstungen heran. Für alle, die wandern oder Ski fahren, ist das schließlich der entscheidende Punkt.

Die wenigsten kaufen eine Jacke mit der Frage: „Wie gut weist sie eigentlich Öl ab, wenn ich mich damit bekleckere?“ Uns interessiert vor allem, wie gut der Außenstoff bei Regen Wasser abperlen lässt. Die starke Ölabweisung älterer PFAS-basierter Systeme könnte man deshalb als eine Leistung betrachten, die im normalen Outdooreinsatz oft gar nicht in diesem Umfang gebraucht wird. Die alte Technik mag in manchen Bereichen noch besser sein. Aber brauchen wir wirklich jeden dieser Vorteile? Für die meisten von uns lautet die Antwort vermutlich nein.

Der größere Unterschied zeigt sich bei der Haltbarkeit

Die deutlichere Schwäche neuer Ausrüstungen liegt häufig weniger in ihrer Leistung am ersten Tag als darin, wie lange sie diese halten. PFAS-freie DWR-Systeme können gegenüber Öl, Schmutz und starker Reibung etwas empfindlicher sein als ältere Varianten. Im Alltag kann das so aussehen: Bei deiner neuen Jacke bilden sich schöne Wassertropfen, die direkt abrollen. Nach einiger Zeit lässt die Wasserabweisung möglicherweise besonders an diesen Stellen schneller nach:

  • An den Schultern, wo die Rucksackträger aufliegen
  • An den Ärmelabschlüssen
  • Rund um den Kragen
  • Unter den Achseln
  • An anderen Stellen mit häufigem Kontakt und viel Reibung

Bevor du die Jacke für kaputt erklärst, lohnt sich deshalb ein Blick auf die Pflege. Bei neueren Produkten spielt sie eine etwas größere Rolle als früher.

Bei PFAS-freien Jacken wird Pflege wichtiger

Ein bekannter Rat für technische Jacken lautet seit Jahren: „So selten wie möglich waschen.“ Völlig falsch ist das nicht, aber bei modernen wasserdichten Hardshells sieht die Sache etwas anders aus. Schmutz, Schweiß, Körperfett und Sonnencreme können die DWR-Leistung mit der Zeit beeinträchtigen. Die Jacke überhaupt nicht zu waschen, kann die Wirkung also verschlechtern, statt sie zu erhalten.

Gerade bei PFAS-freien Produkten wird eine passende Pflegeroutine wichtiger. Die Grundlagen sind zum Glück überschaubar:

  • Reinige das Kleidungsstück nach den Angaben auf seinem Pflegeetikett.
  • Verwende keinen Weichspüler.
  • Achte darauf, dass keine Waschmittelrückstände im technischen Gewebe bleiben.
  • Reaktiviere die DWR mit kontrollierter Wärme, sofern der Hersteller das erlaubt.
  • Wenn Wasser nicht mehr abperlt, verwende ein geeignetes Mittel zur Erneuerung der DWR.

Bei neueren Jacken lautet der Tausch also ungefähr: weniger langlebige Chemikalien, dafür etwas mehr Pflege. Für mich ist das die sinnvollste Art, die Veränderung einzuordnen.

Sind PFAS-freie Jacken bei Regen schlechter?

Das ist eine der wichtigsten Fragen. Für die meisten Nutzer lautet die Antwort: Nein. PFAS-frei bedeutet nicht automatisch, dass eine Jacke weniger wasserdicht ist. Wie schon besprochen, ist DWR nur ein Teil des gesamten Systems. Membran, Nahtabdichtung, Außenstoff, Reißverschlüsse und Konstruktion sind weiterhin mindestens genauso wichtig.

GORE-TEX-Produkte mit der neueren ePE-Membran sind dafür ein gutes Beispiel. Weniger PFAS einzusetzen bedeutet nicht, den Anspruch an die Wasserdichtigkeit aufzugeben. Das gilt auch für andere große Hersteller. Beim Einkauf hilft die Gleichung „PFAS-frei = schlechtere Jacke“ deshalb nicht weiter. Bei einer technischen Jacke solltest du weiterhin zuerst auf Folgendes achten:

  • Membranaufbau
  • Wasserdichtigkeit
  • Atmungsaktivität
  • Abgeklebte Nähte
  • Kapuzenkonstruktion
  • Reißverschlüsse
  • Strapazierfähigkeit des Stoffs
  • Einsatzzweck

PFAS-frei beschreibt daneben, welche Chemie bei der Herstellung eingesetzt wurde. Für sich allein ist die Angabe kein Qualitätsurteil. Dieselbe Überlegung hilft auch bei der Wahl zwischen Softshell und wasserdichter Hardshell.

Musst du eine ältere GORE-TEX-Jacke ersetzen?

Nein. Eine funktionierende Jacke nur wegen des PFAS-Themas wegzuwerfen und durch ein neues PFAS-freies Modell zu ersetzen, ergibt wenig Sinn. Auch aus Nachhaltigkeitssicht ist es sinnvoller, ein funktionierendes Produkt möglichst lange zu nutzen.

Wenn deine alte Jacke noch dicht ist, die Nahtbänder intakt sind und der Stoff keine größeren Schäden hat, nutze sie weiter. Lässt die DWR nach, versuche es zunächst mit einer Reinigung. Erneuere die wasserabweisende Ausrüstung, falls nötig. Erst wenn die Leistung danach immer noch deutlich eingeschränkt ist, wird es sinnvoller, über eine neue Jacke nachzudenken. Wenn ohnehin ein Neukauf ansteht, gibt es inzwischen mehr Gründe, PFAS-freien Technologien eine Chance zu geben.

Fazit: Die alte DWR war stärker – aber haben wir all das wirklich gebraucht?

Dass ältere PFAS-basierte DWR-Ausrüstungen leistungsfähig waren, steht kaum zur Debatte. Sie wiesen Wasser ab, kamen sehr gut mit Öl zurecht und waren schmutzabweisend. Außerdem konnten sie diese Eigenschaften lange beibehalten. Neuere PFAS-freie Ausrüstungen erreichen dieses Niveau noch nicht immer, vor allem bei der Beständigkeit gegenüber Öl und Schmutz.

Bei manchen Produkten kann außerdem regelmäßigere Pflege nötig sein, um die DWR-Leistung zu erhalten. Bei Regen ist der Abstand allerdings längst nicht mehr so groß wie früher. Und für gewöhnliche Wanderungen, Skitage oder den verregneten Alltag ist genau das entscheidend.

Vielleicht werden also weniger die Jacken schlechter, sondern vielmehr verändern sich unsere Erwartungen. Früher sollte eine einzige Ausrüstung jahrelang Wasser, Öl, Schmutz und Flecken abweisen. Heute versuchen wir, denselben Regenschutz mit weniger langlebigen Chemikalien zu erreichen. Dafür müssen wir uns etwas besser um die Jacke kümmern. Für die meisten Outdoorfans ist das ein ziemlich vernünftiger Tausch.

Quellen

Häufige Fragen

Ist PFC-frei dasselbe wie PFAS-frei?

In der Praxis liegen die beiden Angaben nah beieinander. PFC ist ein älterer, weniger präziser Begriff, der in der Branche lange verwendet wurde. PFAS ist dagegen die wissenschaftliche Bezeichnung für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Welche Angabe auch auf dem Etikett steht: Gemeint ist, dass die wasserabweisende Wirkung ohne fluorierte Chemie erreicht wurde.

Sollte ich ein Imprägnierspray oder eine Einwaschimprägnierung verwenden?

Ein Spray wird nur auf die Außenseite aufgetragen und beeinflusst das Futter nicht. Deshalb ist es bei Membranjacken, deren Atmungsaktivität erhalten bleiben soll, meist die sicherere Wahl. Einwaschmittel behandeln das gesamte Gewebe und werden eher bei ungefütterten, einlagigen Kleidungsstücken verwendet. Wenn du unsicher bist, schau auf das Pflegeetikett deiner Jacke.

Kann der Wäschetrockner die DWR wirklich reaktivieren?

Kontrollierte Wärme kann helfen, die Ausrüstung an der Oberfläche neu auszurichten. Deshalb empfehlen viele Hersteller nach dem Waschen das Trocknen bei niedriger Temperatur oder vorsichtiges Bügeln auf niedriger Stufe. Allerdings verträgt nicht jeder Stoff diese Behandlung, und die falsche Temperatur kann bleibende Schäden verursachen. Prüfe deshalb immer das Pflegeetikett des Kleidungsstücks, bevor du Wärme einsetzt.

Autor Advenway IG P YT f X

Ich bin der Gründer von Advenway und schreibe die Inhalte dieser Plattform. Aus meiner Neugier auf Sport, Natur und neue Entdeckungen entstehen Ratgeber zu verschiedenen Sportarten, Tourentipps und Beiträge rund um die Ausrüstung. Dabei teile ich meine Recherchen und persönlichen Erfahrungen verständlich und mit Blick auf das, was dir in der Praxis weiterhilft. Mein Ziel ist es, dich bei gut informierten Entscheidungen zu unterstützen – ob du eine neue Sportart ausprobieren oder dein nächstes Abenteuer planen möchtest.