7 Dinge, die du im Herbst testen solltest, bevor du im Winter campst
Bei der Vorbereitung aufs Wintercamping landet der Blick schnell auf der Ausrüstungsliste. Ein wärmerer Schlafsack, ein Vierjahreszeitenzelt, dicke Socken, ein anderer Kocher … Das alles ist wichtig. Mit dem Kauf ist es aber noch nicht getan. Du solltest auch wissen, wie die Ausrüstung bei Kälte funktioniert. Denn ein Mattenventil, das sich zu Hause leicht öffnen lässt, kann mit Handschuhen plötzlich ziemlich fummelig werden. Und ein Zelt, das im Garten in wenigen Minuten steht, kann dich bei Wind ordentlich beschäftigen.
Auch ein Schlafsack mit vielversprechenden Temperaturangaben hilft wenig, wenn du wegen deiner Matte die ganze Nacht Wärme an den Boden verlierst.
Statt solche Dinge erst beim Wintercamping herauszufinden, kannst du sie im Herbst ausprobieren. Es ist kühl, Regen und Wind sind möglich, aber die Bedingungen sind meist weniger anspruchsvoll als im Winter. Falls etwas schiefgeht, lässt sich die Übernachtung auch leichter abbrechen. Für den ersten Versuch brauchst du keine abgelegene Route. Ein Platz in der Nähe des Autos, mit Handyempfang und einer unkomplizierten Möglichkeit zur Heimfahrt, passt besser. Schließlich wollen wir herausfinden, wo unser System hakt — nicht, wie viel wir aushalten.
1. Reichen Schlafsack und Isomatte wirklich aus?
Ein Blick auf die Temperaturangabe deines Schlafsacks kann dir das Gefühl geben, dass die Nacht angenehm wird. Wie warm du tatsächlich schläfst, hängt aber auch von deiner Matte, Kleidung, Feuchtigkeit, Wind und deinem persönlichen Kälteempfinden ab. Gerade die Matte wird manchmal unterschätzt. Unter deinem Körper wird die Schlafsackfüllung zusammengedrückt und kann deshalb möglicherweise nicht ausreichend gegen den Boden isolieren.
Selbst mit einem guten Schlafsack kannst du also an Rücken und Hüften frieren, wenn die Matte nicht genug isoliert. Deshalb empfehlen Wintercamping-Ratgeber neben einem warmen Schlafsack gut isolierende Matten, gegebenenfalls zwei übereinander. Auch im Wintercamping-Ratgeber von REI gehören ein warmer Schlafsack, zwei Matten und ein kältegeeigneter Kocher zur Grundausrüstung.
Such dir für den Test eine Herbstnacht mit deutlich sinkenden Temperaturen und baue dein geplantes Winterschlafsystem genauso auf, wie du es später nutzen möchtest. Mach den Test nicht mit einer zusätzlichen Decke im Schlafsack leichter. Verwende die vorgesehene Matte, Thermounterwäsche und Socken. Am Morgen lohnt sich mehr als ein schlichtes „Mir war kalt“. Versuche herauszufinden, woher die Kälte kam:
- Wurden deine Füße nicht warm, oder kam die Kälte vom Boden?
- Hast du im Schlafsack geschwitzt?
- Hat die Matte ihre Luft bis zum Morgen gehalten?
- Musstest du nachts etwas Zusätzliches anziehen?
Schau auch auf dem Handy nach der niedrigsten Nachttemperatur. So hast du eine eigene Notiz dazu, wie sich dein System bei einer bestimmten Temperatur angefühlt hat. Das ist oft hilfreicher als die Zahl auf dem Etikett. Wenn du die Isolationsleistung von Matten anhand eines Wertes vergleichen möchtest, hilft dir der R-Wert.
2. Kannst du das Zelt bei Regen und Wind aufbauen?
Ein Zelt erst beim Camping zum ersten Mal aufzubauen, ist schon keine besonders gute Idee. In einer Winternacht erst recht nicht. Ein Modell, das bei Sonne und Windstille schnell steht, verhält sich bei Wind anders. Während du mit dem Gestänge beschäftigt bist, flattert das Innenzelt, das Außenzelt lässt sich schwerer positionieren und kleine Teile fallen in den Schlamm. Ein Herbsttag mit leichtem Regen und mäßigem Wind ist dafür eine gute Probe. Du musst aber nicht gezielt schlechtes Wetter suchen.
Bei einem Sturm Ausrüstung zu testen, schafft unnötige Risiken.
Geh nach dem Aufbau einmal um dein Zelt herum:
- Sitzen die Heringe fest im Boden?
- Kannst du die Abspannleinen mit Handschuhen einstellen?
- Berührt das Außenzelt irgendwo das Innenzelt?
- Sammelt sich Wasser am Eingang?
- Hast du genug geschützten Platz für Rucksack und Schuhe?

Prüfe am Morgen auch die Feuchtigkeit im Inneren. Wenn du wegen der Kälte alle Lüftungsöffnungen schließt, kann sich Feuchtigkeit aus deiner Atemluft und nassen Sachen im Zelt sammeln. Was wie eine undichte Stelle aussieht, ist manchmal Kondenswasser. Gelangen Tropfen auf Schlafsack oder Kleidung, solltest du deine Belüftung überdenken. Auch die Wahl des Zeltplatzes gehört zum Test. Wähle einen Ort, an dem Wasser abfließen kann, der nicht direkt dem Wind ausgesetzt ist und über dem keine abgebrochenen Äste hängen.
Beim Wintercamping werden außerdem der Zugang zu Wasser und die Möglichkeit wichtig, dein Zelt im Dunkeln wiederzufinden. REI nennt bei der Platzwahl ausdrücklich Windschutz, gefährliche Bäume, Wasserzugang und gut erkennbare Orientierungspunkte.
3. Funktioniert dein Schichtsystem auch beim Gehen?
Beim Wintercamping denken wir vor allem daran, nicht zu frieren. Doch beim Gehen zu warm zu werden und stark zu schwitzen, kann ebenfalls zum Problem werden. Im Camp bewegst du dich weniger, und die feuchte Kleidung kühlt schnell aus. Teste dein Schichtsystem deshalb beim Gehen mit Rucksack statt nur im Campingstuhl. Geh mit der geplanten Basisschicht, einer Fleece- oder ähnlichen Zwischenschicht und deiner Außenschicht 30–45 Minuten. Der Rucksack sollte dabei nicht leer sein. Bleib anschließend stehen und warte 15–20 Minuten.
Wenn du unterwegs stark geschwitzt hast, warst du am Anfang wahrscheinlich zu warm angezogen. Reichte es, Reißverschlüsse oder Lüftungsöffnungen zu öffnen, oder musstest du eine ganze Schicht ausziehen? Wenn dir sofort nach dem Anhalten kalt wurde, prüfe, wie feucht deine Kleidung geworden ist. Schau auch, wie einfach du die Schichten wechseln kannst. Musst du bei einsetzendem Regen den halben Rucksack ausräumen, um an deine Jacke zu kommen, ist die Organisation wenig praktisch. Reserviere eine trockene Basisschicht und trockene Socken fürs Camp.
Trage diese Sachen nicht schon tagsüber. Bewahre sie in einem separaten wasserdichten Beutel auf und zieh dich nach der Ankunft um. Selbst in einer Herbstnacht merkst du, welchen Unterschied das machen kann.
4. Passen Schuhe und Socken zusammen, und sind deine Handschuhe praktisch?
Dicke Socken bedeuten nicht automatisch wärmere Füße. Wenn die Socke den Schuh zu eng macht, können die Zehen eingeengt werden, und nach ein paar Stunden wird es unangenehm. Mach mit den vorgesehenen Winterschuhen und Socken eine Herbstwanderung auf nassem Untergrund. Schlamm, feuchtes Gras und kleine Wasserquerungen reichen, um einen Eindruck vom Zustand deiner Schuhe zu bekommen. Du musst deine Füße nicht absichtlich ins Wasser stellen.
Zieh am Ende der Wanderung die Socken aus und prüfe:
- Gibt es Scheuerstellen an der Ferse?
- Stoßen deine Zehen vorne an?
- Sind die Socken feuchter als erwartet?
Auch wenn die Schuhe kein Wasser durchgelassen haben, können die Socken durch Schweiß nass geworden sein. Bei Handschuhen zählt außerdem mehr als Wärme. Öffne den Zeltreißverschluss, knüpfe einen Knoten, bediene das Mattenventil und drücke den Knopf deiner Stirnlampe. Wenn du dafür jedes Mal die Handschuhe ausziehen musst, wird es im Winter mühsam. Dünne Innenhandschuhe zusammen mit wärmeren, wasserbeständigen Außenhandschuhen können helfen. Wenn du die äußere Schicht ausziehst, bleiben deine Hände bedeckt.
Ob dieses System für dich funktioniert, weißt du allerdings erst, wenn du es wirklich benutzt hast.
5. Wie funktioniert dein Kocher bei Kälte und Wind?
Zu Hause ist ein Campingkocher schnell angezündet. Der Untergrund ist eben, die Hände sind warm und es gibt keinen Wind. Draußen kann schon eine kleine Mahlzeit länger dauern als erwartet. Bereite beim Herbstcamping deshalb eine echte Mahlzeit zu, die du auch im Winter kochen möchtest. Den Kocher nur anzuzünden und eine Tasse Wasser aufzukochen, ist noch kein vollständiger Test. Hol ihn aus dem Rucksack, bau ihn auf, koche das Essen, reinige das Geschirr und pack alles wieder ein.
Wie lange braucht das Wasser zum Kochen? Hast du mehr Brennstoff verbraucht als gedacht? Konntest du den Regler mit Handschuhen bedienen? Hat das Feuerzeug problemlos funktioniert? Wurde die Flamme ständig vom Wind abgelenkt? Wenn das Abendessen zu lange dauert, kannst du für den Winter ein einfacheres Menü wählen. Gerichte aus einem Topf, die wenig Abwasch verursachen und keine lange Betreuung am Kocher brauchen, sind bei Kälte praktischer.
Trage den Kocher beim Test nicht ins Zelt, um dem Regen auszuweichen. Brennstoffbetriebene Kocher, Laternen und Heizgeräte können Kohlenmonoxid erzeugen. Dieses Gas kannst du weder sehen noch riechen. Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Schwäche und Schläfrigkeit können mit normaler Erschöpfung verwechselt werden. Die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC weist ausdrücklich darauf hin, dass solche Campinggeräte nicht in geschlossenen Bereichen wie Zelten verwendet werden dürfen.
Sicherere Möglichkeiten, im Camp warm zu bleiben, findest du in unserem Artikel zum Warmbleiben ohne Feuer.
6. Ist dein Plan für die Wasserversorgung praktikabel?
Bei Kälte hast du vielleicht seltener Durst als im Sommer. Wenn du außerdem jedes Mal den Rucksack öffnen, die Handschuhe ausziehen und mit einer kalten Flasche hantieren musst, schiebst du das Trinken schnell auf. Beobachte beim Herbstcamping einen Tag lang, wie viel du trinkst. Ist die Flasche schwer erreichbar, ändere ihren Platz im Rucksack. Wenn du eine Thermosflasche mitnimmst, prüfe, ob ihr Volumen reicht. Nutzt du einen Wasserfilter, probiere das Befüllen und Filtern mit kalten Händen aus.
Prüfe außerdem die Herstellerhinweise zur Aufbewahrung deines Filters bei Frost. Nicht für jedes Modell gilt dieselbe Vorgehensweise.
Willst du beim Wintercamping Wasser mitnehmen, aus einer natürlichen Quelle beziehen oder Schnee schmelzen? Das solltest du vor der Tour entscheiden. Schnee zu schmelzen klingt einfach, braucht aber Zeit und Brennstoff. Auch ohne Schnee kannst du im Herbst die benötigte Wassermenge auf dem Kocher erhitzen und beobachten, wie lange das dauert. Ein warmes Getränk tut bei Kälte gut. Tee und Suppe kannst du in deine tägliche Flüssigkeitsplanung einbeziehen.
Regelmäßig zu trinken und ausreichend Energie aufzunehmen, hilft dem Körper, bei Kälte seine Wärme zu erhalten. Auch die REI-Empfehlungen zu Essen und Wasser beim Wintercamping raten dazu, über den Tag verteilt regelmäßig zu trinken und leicht zubereitbare warme Mahlzeiten einzuplanen.
7. Kannst du im Dunkeln zusammenpacken und zurückgehen?
Im Winter wird es früh dunkel. Wenn du später als geplant am Zeltplatz ankommst, musst du womöglich den letzten Teil des Aufbaus im Dunkeln erledigen. Verschlechtert sich das Wetter, kann auch der Abbruch samt Rückweg bei Dunkelheit nötig werden. Das im Herbst unter sicheren Bedingungen zu üben, ist hilfreich. Setz die Stirnlampe auf, finde deine trockene Kleidung im Rucksack, pack das Zelt aus und pack einige benötigte Ausrüstungsteile wieder ein. Aufgaben, die tagsüber einfach wirken, dauern im Dunkeln oft länger als gedacht.
Den schwarzen Handschuh im schwarzen Rucksack suchen, den Knopf der Stirnlampe nicht finden oder vergessen, in welcher Tasche die Ersatzbatterie liegt — das klingt nach Kleinigkeiten. Bei Kälte und Wind wird es schnell lästig. Vergewissere dich, dass die Offlinekarte tatsächlich auf deinem Handy gespeichert ist. Bewahre Powerbank, Ersatzbatterien und eine zweite Lichtquelle gut erreichbar auf. Verlasse dich für Navigation, Kommunikation und Licht nicht auf ein einziges Handy.
Pack an einem Abend so zusammen, als würdest du die Übernachtung frühzeitig beenden und zum Auto zurückkehren. Schau, wie lange das dauert. Folge dem Rückweg vom Zeltplatz im Dunkeln. Lege außerdem vorher fest, unter welchen Bedingungen du umkehrst. Bei stärkerem Wind? Wenn die Kleidung nass wird? Wenn dein Schlafsystem nicht ausreicht? Denkst du erst darüber nach, wenn sich die Lage verschlechtert, kannst du dir leichter einreden, doch weiterzumachen.
Komm vom Herbstcamping mit Notizen fürs Wintercamping zurück
Vielleicht ist dir bei diesem Versuch etwas kalt oder der Zeltaufbau macht Schwierigkeiten. Genau solche Schwachstellen möchtest du kennenlernen. Wenn du aber deutlich frierst, deine Kleidung nass geworden ist oder das Wetter schlechter wird als erwartet, beende die Übernachtung. Das ist kein Härtetest. Schreib zu Hause eine kurze Liste:
- Hat die Matte ausreichend isoliert?
- Waren die Schuhe mit den dicken Socken zu eng?
- Hat der Brennstoff so lange gereicht wie erwartet?
- Welchen Gegenstand hast du im Dunkeln nicht gefunden?
So wird klar, was du vor dem Wintercamping ändern solltest. Vielleicht brauchst du keinen neuen Schlafsack, sondern eine besser isolierende Matte. Vielleicht reicht dein Zelt aus, aber du musst den Umgang mit den Abspannleinen noch üben. Solche Dinge im Herbst herauszufinden, ist sicherer und deutlich entspannter.