Tauchratgeber · Invasive Arten

Invasive Arten: Rotfeuerfisch und Kugelfisch beim Tauchen in der Türkei

An der Mittelmeer- und Ägäisküste der Türkei begegnen Sie heute Arten, die aus dem Roten Meer durch den Suezkanal eingewandert sind. Die meisten sind harmlos, drei aber betreffen Taucher direkt: der Rotfeuerfisch mit giftigen Stacheln, der Silberwangen-Kugelfisch, dessen Fleisch giftig ist und der beißen kann, und die nesselnde Nomadenqualle. Die erste Regel gilt für alle: nicht anfassen, nicht füttern, nicht mit der Hand fangen.

Art Woher die Gefahr kommt Was beim Tauchgang zu tun ist
Rotfeuerfisch Giftstacheln an Rücken-, Bauch- und Afterflosse Abstand halten, nicht zu fangen versuchen
Silberwangen-Kugelfisch Tetrodotoxin beim Verzehr; kräftiger Biss Nicht füttern, nicht verfolgen; nicht essen, auch wenn jemand ihn gefangen hat
Nomadenqualle Nesselzellen an den Tentakeln Abstand halten; ein dünner Neoprenanzug oder Lycra schützt

Rotfeuerfisch

Pterois miles

Der erste wissenschaftliche Nachweis in türkischen Gewässern stammt vom 13. April 2014 aus der Bucht von İskenderun.1 Ein Jahr später, im August 2015, folgte der erste Nachweis in der Ägäis: Taucher sahen ihn vor Dalyan in 11 Metern Tiefe auf Sandgrund.2 Inzwischen ist er nordwärts bis in die Bucht von Edremit vorgedrungen; dort wurde er 2022 erstmals entdeckt, im Juni 2023 wurde ein Exemplar vor der Insel Güneş gefangen.3

Das Gift sitzt nur in den Stacheln: 12–13 an der Rückenflosse, 2 an den Bauchflossen und 3 an der Afterflosse; die Giftdrüsen liegen in Rinnen der Stacheln.4 Der Rotfeuerfisch ist also giftig, wenn er sticht, sein Fleisch aber nicht: Ohne die Stacheln kann man ihn essen.5,6

Die meisten Stiche treffen Menschen, die den Fisch anfassen. Von 33 Fällen, die DAN ausgewertet hat, passierten 21 beim Festhalten eines erlegten Fisches und 7 beim Versuch, einen zu fangen; nur 5 waren Unfälle.7 Ein Stich verursacht stundenlange starke Schmerzen, rasche Schwellung und Blutergüsse; die Schwellung geht meist in 2–3 Tagen zurück, die Verfärbung kann bis zu 5 Tage bleiben. Für gesunde Menschen ist er nicht tödlich; DAN ist kein veröffentlichter Todesfall bekannt.4 Bei kleinen Kindern, Herzkranken und Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann er schwerer verlaufen.7

Wenn ein Rotfeuerfisch Sie sticht

Bleiben Sie zuerst ruhig und beenden Sie den Tauchgang mit normaler Aufstiegsgeschwindigkeit und Sicherheitsstopp. In den Aufzeichnungen von DAN erlitt ein Taucher, der nach dem Stich schnell auftauchte, eine Dekompressionskrankheit.4

  1. Waschen Sie die Wunde gründlich mit Seife und Süßwasser, entfernen Sie Fremdkörper wie Stachelreste und stillen Sie die Blutung.
  2. Tauchen Sie die betroffene Stelle in das heißeste Wasser, das nicht verbrüht: höchstens 45 °C, 30–90 Minuten; bei Bedarf wiederholen. Starke Schmerzen stören das Temperaturempfinden, deshalb soll eine andere Person das Wasser an derselben Stelle ihres eigenen Körpers prüfen. Hitze zerstört das Gift.4,7
  3. Danach gegen Schwellung und Schmerz eine Kältekompresse oder Eis auflegen.
  4. Gehen Sie in jedem Fall zum Arzt; Tetanusimpfung und Antibiotika können nötig sein. Bei schweren Symptomen den Notruf wählen: 112.4

Die Verbrühungsgefahr ist real: In den Aufzeichnungen von DAN verbrannte sich ein Taucher so die Hand, und die Wunde entzündete sich.4

Silberwangen-Kugelfisch

Lagocephalus sceleratus

Der erste bestätigte Nachweis im Mittelmeer stammt 2005 von der türkischen Ägäisküste.8 Laut dem türkischen Ministerium für Landwirtschaft und Forsten haben sich Kugelfische, die aus dem Roten Meer kamen und sich im Mittelmeer ansiedelten, in die Ägäis und das Marmarameer ausgebreitet; das Ministerium hebt den Silberwangen-Kugelfisch als häufigste und gefährlichste Art hervor.9

Sein Fleisch ist giftig, Kochen hilft nicht

Der Fisch enthält Tetrodotoxin. Kochen zerstört es nicht, es wurde in allen Geweben einschließlich des Muskels gefunden, und es gibt kein bekanntes Gegengift; die Behandlung ist nur unterstützend.10 Ein Jahr monatlicher Messungen in der Bucht von Antalya ergab, dass der Verzehr in jedem Monat gefährlich ist, mit den höchsten Werten im November–Dezember.11 Unter 198 Vorfällen, die von 2004 bis 2023 im östlichen Mittelmeer gesammelt wurden, waren 27 Todesfälle nach Verzehr.10 Wenn Sie diesen Fisch auf einem Tauchboot oder bei einem Fischer sehen, essen Sie ihn nicht; wenn Sie ihn gegessen haben, gibt es keine Erste Hilfe zu Hause – suchen Sie sofort eine medizinische Einrichtung auf.10

Unter Wasser

Der Silberwangen-Kugelfisch meidet Menschen meist; Forscher sehen sein Beißverhalten noch nicht als unmittelbare Gesundheitsgefahr. Seine kräftigen, schnabelartigen Zähne können dennoch schwere Wunden verursachen: An der nördlichen Levanteküste verlor ein Kind so eine Fingerkuppe.12 Vorläufige Befunde deuten darauf hin, dass die Aggressivität in der Laichzeit und zu den Fresszeiten in der Morgen- und Abenddämmerung zunehmen kann und dass helle Farben und Gegenstände sie auslösen können.10 Nicht füttern, nicht verfolgen; nach einem Biss die Wunde einem Arzt zeigen.

Ein weiterer kleiner, niedlich wirkender Kugelfisch aus dem Roten Meer, in Kaş fotografiert (Torquigener hypselogeneion), gewöhnt sich an Taucher und wurde dabei beobachtet, wie er leicht in Finger zwickt. Auch ihn nicht anfassen.10

Nomadenqualle

Rhopilema nomadica

Der erste Nachweis an der türkischen Mittelmeerküste wurde 1995 veröffentlicht.13 An der östlichen Mittelmeerküste der Türkei beeinträchtigt sie Gesundheit, Tourismus und Fischerei; ihr schmerzhafter Stich kann für Urlauber gefährlich sein.14 Unter 481 in Israel gesammelten Meldungen waren die Symptome in 69 % leicht und in 7 % schwer; bleibende Folgen wurden nicht gemeldet.15 Selten wurden schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxie) beobachtet.16 Ein dünner Neoprenanzug oder Lycra schützt.15

Wenn eine Qualle Sie nesselt

  1. Tentakelreste mit Meerwasser abspülen.
  2. Keinen Essig und keinen Urin verwenden; bei Mittelmeerquallen bringt Essig die Nesselkapseln zum Auslösen.15,17
  3. Bei großflächigem Kontakt oder Symptomen am ganzen Körper die Notaufnahme aufsuchen: 112.15

Wie sie sich ausbreiteten

Jahr Art Nachweis
1995 Nomadenqualle Erster Nachweis für die türkische Mittelmeerküste veröffentlicht13
2005 Silberwangen-Kugelfisch Erster bestätigter Nachweis im Mittelmeer, türkische Ägäisküste8
2014 Rotfeuerfisch Erster Nachweis in türkischen Gewässern, Bucht von İskenderun (13. April)1
2015 Rotfeuerfisch Erster Nachweis in der Ägäis, Dalyan, 11 m (August)2
2022–23 Rotfeuerfisch Bucht von Edremit; 12 m vor der Insel Güneş (Juni 2023)3
2024 Kugelfische Ministerium: in Ägäis und Marmarameer ausgebreitet9

Wer sonst noch auf der Liste steht

Eine toxikologische Übersicht giftiger invasiver Arten im Mittelmeer nennt außerdem Kaninchenfische (Siganus luridus, S. rivulatus), den Gestreiften Korallenwels, den Steinfisch, den Diademseeigel und eine Hydroidenart; mit der Erweiterung des Suezkanals, der Erwärmung und dem Tourismus werden mehr Fälle erwartet.18 Stachelige oder unbekannte Tiere nicht anzufassen, hilft bei allen.

Quellen (18)

  1. Turan C. et al. (2014). First record of the Indo-Pacific lionfish Pterois miles for the Turkish marine waters. J. Black Sea/Medit. Environ. 20(2).
  2. Turan C., Öztürk B. (2015). First record of the lionfish Pterois miles from the Aegean Sea. J. Black Sea/Medit. Environ. 21(3).
  3. Öztekin A. et al. (2023). Aslan balığı Pterois miles’ın Edremit Körfezi’nden ilave kaydı. Doğanın Sesi 6(12).
  4. Gomez Castillo J.D. (2018). Lionfish Stings. Alert Diver, Divers Alert Network.
  5. NOAA National Ocean Service (2019). Invasive Lionfish (podcast transcript).
  6. UNDP Türkiye (2023). Aslan balığı sorununu mutfakta çözmek.
  7. Denoble P. (2013). Lionfish Stings in Divers. Divers Alert Network.
  8. Akyol O. et al. (2005). First confirmed record of Lagocephalus sceleratus in the Mediterranean Sea. J. Fish Biol. 66(4).
  9. T.C. Tarım ve Orman Bakanlığı, BSGM (12.03.2024). İstilacı balon balığı avcılığı destekleme tutarları.
  10. Ulman A. et al. (2024). Assessment of Human Health Impacts from Invasive Pufferfish across the Eastern Mediterranean. Biology 13(4):208.
  11. Kosker A.R. et al. (2023). Monthly Variation of Tetrodotoxin Levels in Pufferfish Caught from Antalya Bay. Marine Drugs 21(10):527.
  12. Sümen S.G., Bilecenoğlu M. (2019). Traumatic finger amputation caused by Lagocephalus sceleratus bite. J. Black Sea/Medit. Environ. 25(3).
  13. Kideys A.E., Gücü A.C. (1995). Rhopilema nomadica: A Lessepsian Scyphomedusan new to the Mediterranean coast of Turkey. Israel J. Zool. 41(4).
  14. Öztürk B., İşinibilir M. (2010). An alien jellyfish Rhopilema nomadica and its impacts to the Eastern Mediterranean part of Turkey. J. Black Sea/Medit. Environ. 16(2).
  15. Edelist D. et al. (2023). Jellyfish sting web survey: clinical characteristics and management of Rhopilema nomadica envenomation. Reg. Environ. Change 23:114.
  16. Friedel N. et al. (2016). Severe anaphylactic reaction to Mediterranean jellyfish (Rhopilema nomadica) envenomation. Toxicol. Rep. 3.
  17. Ballesteros A. et al. (2023). Effect of Rinse Solutions on Rhizostoma pulmo Stings and the Ineffective Role of Vinegar in Scyphozoan Jellyfish Species. IJERPH 20(3).
  18. Bédry R. et al. (2021). Toxicological risks on the human health of populations living around the Mediterranean Sea linked to the invasion of non-indigenous marine species from the Red Sea. Toxicon 191.

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